Die Religion des Veda c7.s1.61
Die Religion des Veda c7.s1.61
- Language
- German
c7.s1.61
Die Vorstellungen von Agni als dem wasserentsprossenen haben zu einer Kontamination dieses Gottes mit einem ursprünglich von ihm wohl gänzlich verschiedenen Wesen geführt, dem „Wasserkinde“ (*apām napāt*). Dieser Dämon geht auf die indoiranische Zeit zurück. Im Awesta finden wir ihn als einen Geist der Wasser, in deren Tiefe er lebt und mit denen zusammen er stehend angerufen wird: reich an schnellen Rossen²) — dies mögen ursprünglich die eilenden Wogen sein —, die Verteilung der Gewässer über die Erde beherrschend. Aber auch im Veda scheint durch die Züge, die er infolge seiner Identifikation mit Agni angenommen hat, sein ursprüngliches Wesen als Wassergott³) deutlich durch. Von den zwei an ihn gerichteten Hymnen des Ṛgveda bezieht sich der eine (X, 30), dessen rituelle Verwendung im wesentlichen feststeht⁴), auf Zeremonien, die es ausschließlich mit Wasser⁵), nicht mit Feuer zu tun haben. Wenn die Priester sich aufmachen, das zum Opfer gehörige Wasser zu schöpfen, wird der Spruch gesprochen: „Ihr Adhvaryus, geht zum Wasser, zum Meere; dem Wasserkind bringt die Opfergabe: das soll euch heute seine Woge die schön geläuterte geben; dem preßt den honigreichen Soma. Wasserkind, das ohne Brennholz in den Wassern leuchtet, das die Priester bei den Opfern ehren, gieb uns honigreiche Wasser, durch die Indra zur Heldenkraft erstarkt ist.“ Und in das Wasser wird eine Spende von Opferbutter geschüttet ¹). Man sieht, es handelt sich durchaus um einen Wasserdämon, der angerufen wird, Wasser zu spenden ²); nur daß dieser „ohne Brennholz leuchtet“, könnte auf Anähnlichung an Agni hinweisen. Diese Anähnlichung tritt in dem anderen an das Wasserkind gerichteten Liede (II, 35) deutlicher hervor, aber auch hier steht die Wassernatur des Dämons im Vordergrund. Er wird mit den Flüssen zusammen angerufen; er glänzt im Wasser; die Wasserjungfrauen umwandeln ihn den Jüngling ³). Doch anderseits, ähnlich wie in dem vorher erwähnten Hymnus: „Ohne Brennholz leuchtet er in den Wassern, in das Prunkgewand von Butter gekleidet“ ⁴), und mit offenbarer Hindeutung auf den in der blitzenden Wolke geborenen Agni: „Das Wasserkind hat den Schoß der Seitwärtsgehenden bestiegen, selbst aufrecht¹), in den Blitz sich kleidend.“ Zum Schluß wird Agni direkt angeredet, der dabei freilich doch wohl als vom Wasserkinde verschieden gedacht ist. Es muß hinzugefügt werden, daß an mehreren Stellen der Agnilieder Agni als Wasserkind benannt²), an anderen freilich ausdrücklich vom Wasserkinde unterschieden wird.
Cites (1)
- Ṛgvedasaṃhitā — Sanskrit