Die Religion des Veda c7.s2.1
Die Religion des Veda c7.s2.1
- Language
- German
c7.s2.1
Vermutlich kannten schon die Indoeuropäer²) das Wesen, das sich dann zum vedischen Indra entwickelt hat: einen übergewaltigen göttlichen oder riesenhaften Helden, blondbärtig oder rotbärtig, den mächtigsten Esser und Trinker, den sieghaften Drachentöter. Daß diese Gestalt, vielleicht — doch das scheint ganz ungewiß — von fremden Einflüssen berührt, die auf asiatischem Boden gewirkt haben mögen, in einer Ausprägung, die der vedischen bereits nahe stand, den Indoiraniern eigen war, kann nicht bezweifelt werden. Der vedische Vṛtrahan (Indra als Töter der Vṛtra) kehrt im Verethraghna des Awesta wieder, und wenn im Awesta selbst dem Gott jene Mythen fehlen, die seinem vedischen Gegenbilde so wesentlich sind, so zeigt, wie längst bemerkt, der armenische Drachentöter Vahagn (= Verethraghna), was wir auch ohnedies behaupten dürften, daß jene Entkleidung des awestischen Gottes vom Mythus der Drachentötung eben sekundär ist. Im Veda finden wir Indra den Vṛtratöter mit einer Menge von Mythen ausgestattet, die ihm unzweifelhaft erst nachträglich zugeeignet sind: teilweise vielleicht schon — was wir im einzelnen hier nicht untersuchen — in vorindischer Zeit, aber auch auf indischem Boden ging dies Anwachsen neuen Stoffes immer weiter; keine andere Göttergestalt lockte so mächtig wie eben die Indras, alle gewaltigsten Heldentaten ihm, dem „Herrn der Kraft“ beizulegen³).