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Die Religion des Veda c7.s2.106

Die Religion des Veda c7.s2.106

Language
German

c7.s2.106

Man hat das Schicksal des Wortes Asura auf einen Zusammenstoß der vedischen Inder mit Anhängern eines anderen Glaubens zurückführen wollen. Iranier seien mit ihrer Asuraverehrung dem Kultus des vedischen Volks feindlich gegenübergetreten, und so seien ihre Götter von diesem als Teufel behandelt worden. Auf konkrete Spuren in der Überlieferung kann sich diese Hypothese meines Erachtens nicht stützen³). Die vorliegenden Indizien weisen vielmehr sehr deutlich in andere Richtung. Prüft man die alte, in späterer Zeit, wie erwähnt, aus den Texten verschwindende Verwendung des Wortes Asura für Götter näher, so findet sich, daß es nicht für alle Götter mit gleicher Vorliebe verwandt wird; so entfernt es jetzt noch von Gegensätzlichkeit gegenüber *deva* ist, ist es doch wiederum mit *deva* keineswegs synonym. Vielmehr walten hier Unterschiede zwischen den Göttern ob, die auf eine bestimmte Bedeutungsnuance des Wortes Asura schließen lassen. Und diese Nuance stellt sich als genau derartig heraus, daß sie das Zusammentreffen der Götter mit den feindlichen Wesen in der gemeinsamen Benennung erklärt. Unter den Göttern wird nämlich die Bezeichnung Asura mit besonderer Vorliebe denjenigen beigelegt, von deren *māyā*, d. h. geheimer, übernatürlicher Macht, mit Vorliebe die Rede ist gerade die *māyā* aber ist eine charakteristische Eigenschaft auch der bösen Feinde, mögen sie menschlicher oder dämonischer Natur sein. So tritt, was die Götter anlangt, bei Varuṇa oder dem Paar Mitra-Varuṇa die Benennung Asura mit einer Häufigkeit auf, die gegen Indra oder Agni in scharfem Kontrast steht ¹). Eben Varuṇa oder Mitra-Varuṇa aber sind unter den Göttern die, von deren *māyā* besonders oft die Rede ist. Hier trägt die *māyā*, an sich indifferent in bezug auf den Gegensatz edlen Könnens und niedriger Künste ²), den Charakter großartiger, in den Wundern des Weltalls herrlich sich manifestierender Macht. Aber nicht weniger häufig wird dasselbe Wort von den tückischen Listen feindlicher Wesen gebraucht ³): und diese zweite Seite seiner Anwendung trifft wieder genau mit dem zweiten Gebiet zusammen, in dem wir dem Wort Asura begegnen. Die Beziehung, die so durch die Identität der Gebrauchssphäre der Worte *asura* und *māyā* wahrscheinlich gemacht wird, bestätigt sich auf das schlagendste in der engen Verbindung beider Begriffe an einer Reihe von Stellen, und zwar gleichermaßen solchen, welche die göttlichen, wie die feindlichen Asuras betreffen. So heißt es: „Diese große *māyā* des berühmten asurischen Varuṇa will ich verkünden, daß er im Luftreich stehend wie mit einem Maße die Erde ausgemessen hat mit der Sonne“ (V, 85, 5). Mitra und Varuṇa lassen es regnen „mit des Asura *māyā*“; sie bewahren die Rechte der Weltordnung „mit des Asura *māyā* (V, 63, 3. 7; vgl. X, 177, 1). Anderseits aber von einem bösen Feind: „Die Festen des Pipru, des an *māyā* reichen Asura hat Indra zerschlagen“ (X, 138, 3)¹.

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