Die Religion des Veda c7.s2.134
Die Religion des Veda c7.s2.134
- Language
- German
c7.s2.134
Indra und Vṛṣakapi ⁴). Hier sei zum Schluß noch eine Dichtung erwähnt, in der eine Episode aus Indras häuslichem Leben mit derbem Humor geschildert wird. Es scheint sich um keine allgemein verbreitete Sage zu handeln, sondern um die übermütige Erfindung eines einzelnen Dichters aus der jüngeren Ṛgvedazeit: möglich — der Schlußvers könnte darauf hindeuten —, daß unter dem Namen des göttlichen Ehepaars menschliche Persönlichkeiten verspottet wurden. Leider ist der Zusammenhang nur ganz ungefähr klar, da wir allein Verse — meist Reden und Gegenreden — besitzen, die vermutlich von einer Prosaumhüllung umgeben waren. Zwischen Herrn Indra und Frau Indra¹) erhebt sich ein Zwist über Indras Lieblingstier, seinen Affen Vṛṣākapi („Bullenaffe“). Das unnütze Tier hat unter den Sachen der Frau Schaden angerichtet. Sie schilt: „Dein lieber Vṛṣākapi, den du in Schutz nimmst, Indra, den soll der Hund, der Eberjäger, beim Ohr packen²) . . . Dem geb' ich was auf den Kopf. Der Bösewicht soll mir nicht gelinde davonkommen.“ Aber um das vorsichtige und vermutlich Schlimmes ahnende Tier zu fassen ist List nötig. Die Göttin stellt sich als locke sie ihn zur Liebe; in sehr konkreten, aber nicht wiedergebbaren Ausdrücken preist sie ihm ihre Reize an. Er geht in die Falle: „Hei, hei, du gefälliges Weiblein! Was jetzt wohl passieren wird — der Hintere, Bein und Kopf, die jucken mir schon danach!“ Aber sein Vertrauen bekommt ihm schlimm. Kaum hat er sich sicher machen lassen, so fällt sie über ihn her. Und im selben Moment — die schlaue Götterfrau wird das so eingerichtet haben — erscheint der Gatte in eigener göttlicher Person. Nun helfen dem Affen alle schönen Worte nichts, mit denen er sich herausreden will; er muß froh sein, daß er arg zerprügelt entkommt. So hat Indra seinen lieben Vṛṣākapi verloren und empfindet das immer schmerzlicher. „Frau, seit Freund Vṛṣākapi fort ist, macht mir nichts mehr Vergnügen. Wie schön war es, wenn seine wässerige Opferspeise bei den Göttern ankam!“ — Wie die Geschichte weiter geht, ist noch unsicherer als der Anfang. Verse voll derber Zoten scheinen zwischen Indra und Frau Vṛṣākapi gewechselt zu werden, die er besucht und die den eßlustigen Gott bewirtet. Vielleicht ist eine Andeutung, welche bei dieser Gelegenheit fällt, dahin zu verstehen, daß Indras männliche Kraft augenblicklich nicht auf der vollen Höhe steht. Doch dafür weiß der Flüchtling Vṛṣākapi Rat. Der scheint jetzt in wilder Einsamkeit zu hausen; da hat er gerade die Dinge gefunden, die für ein Heilverfahren gegen des Gottes Schwäche nötig sind. Unter diesen Umständen kann man ihm denn nicht länger gram sein. Auch Frau Indra bleibt nicht unversöhnlich: „Komm wieder, Vṛṣākapi; wir beide wollen Frieden schließen.“ So endet alles in Glück und Freundschaft.