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Die Religion des Veda c7.s2.142

Die Religion des Veda c7.s2.142

Language
German

c7.s2.142

Die Vorstellung eines berauschenden Göttertranks scheint in die indoeuropäische Zeit zurückzugehen. Der Trank, der am Menschen geheimnisvolle, ekstatisch erregende Kraft beweist, muß von göttlicher Wesenheit, besonderes Eigentum der Götter sein: so heißt auch der Soma der Indianer, durch den sie sich in den Zustand übernatürlicher Erregung versetzen, der Tabak, bei ihnen das „heilige Kraut“; auch die Götter rauchen, um derselben Erregung teilhaft zu werden. Die Heimat des Göttertranks scheint schon für den indoeuropäischen Glauben der Himmel gewesen zu sein; schon damals war man ja gewohnt, wie die Bezeichnung der Götter als der „Himmlischen“ (*deivo-*) zeigt, den Himmel als den eigentlichen Sitz göttlicher Wesen anzusehen. Aus seinem himmlischen Aufbewahrungsort holt den Trank oder raubt ihn dem eifersüchtig hütenden Dämon der Vogel des Gottes oder der Gott selbst in Vogelgestalt: der Adler Indras, der nektarbringende Adler des Zeus, der als Adler den Met davontragende Odin. Vielleicht — man kann hier natürlich nur Vermutungen aussprechen — ist auch schon vor der Völkertrennung der Trank der Götter vornehmlich der Trank eines Gottes gewesen, des großen göttlichen Trinkers und Trunkenen, des Gewitterers. Endlich darf vielleicht angenommen werden, daß die Vorstellung der göttlichen Unsterblichkeit schon für die Indoeuropäer mit dem Göttertrank (Amṛta, Ambrosia) verknüpft gewesen ist. Wie das menschliche Leben durch Speise und Trank, insonderheit durch den wenigstens eine Zeitlang den Tod bezwingenden Medizintrank erhalten wird, muß auch das göttliche Dasein auf dem Genuß eines Trankes beruhen; dessen Wesen Unsterblichkeit ist.