Die Religion des Veda c7.s2.150
Die Religion des Veda c7.s2.150
- Language
- German
c7.s2.150
Gehen wir vom schwankenden Boden der Vermutungen über den Glauben der Indoeuropäer weiter zur Betrachtung der indoiranischen Zeit, so finden wir hier die feste Tatsache, daß an Stelle des alten Honigmets der gepreßte Saft der Somapflanze getreten ist. Die Pressung und Opferung dieses Trankes, in komplizierten Riten geordnet und verherrlicht, ist zu einer der vornehmsten, ja zur vornehmsten Feier des höheren Kults geworden. Jetzt tritt neben die alte mythische Himmelsheimat des Göttertranks⁵) eine zweite reale: die Somapflanze wächst auf den Bergen. Der awestische Liturg preist Wolken und Regen, die den Körper des Soma auf dem Gipfel der Berge wachsen lassen. Ein kunstreicher Gott hat ihn gebildet und auf dem großen Berg Haraitī niedergesetzt; von da haben ihn die mit heiligen Kennzeichen gezeichneten Vögel nach allen Seiten getragen. Weiter aber ist der von dämonischer Kraft erfüllte Opfertrank jetzt — ähnlich wie das Opferfeuer — zu einem mächtigen Gott geworden: bezeichnend für die Atmosphäre priesterlichen Opferkünstlertums, in der man sich schon im indoiranischen Zeitalter bewegt. In diese Periode weist die bis ins einzelne gehende Übereinstimmung zurück, in welcher Veda und Awesta die Wohltaten dieses hilfreichen Gottes feiern: er gibt schnelle Rosse und treffliche Kinder; er, der König der Pflanzen, spendet Heilmittel und entfernt den Tod und alle Nachstellungen der Bösen¹).