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Die Religion des Veda c7.s2.182

Die Religion des Veda c7.s2.182

Language
German

c7.s2.182

Man sieht, hier wird die Vorstellung von der Somanatur des Mondes als Geheimnis ausgesprochen, das nur die Brahmanen kennen. Ist der Gedanke aus alter Vergessenheit wieder aufgelebt? Oder ist er neu? Eine sichere Entscheidung scheint unmöglich. Aber die Motive, aus denen heraus er verständlich wird, lassen sich wohl auffinden. Von solchen Motiven, sofern sie schon den indoeuropäischen Göttertrank betroffen haben können, war bereits die Rede (S. 171)¹. Hier sei hinzugefügt, daß der Soma, wie wir sahen, gleich dem Monde ein himmlisches, lichtes, die Dunkelheit bekämpfendes Wesen ist. Der Mond nimmt ab und wieder zu. So kennt das Ritual ein dem „Anschwellen“ des Mondes paralleles „Anschwellen“ der Somapflanzen, wenn die halb ausgepreßten Stengel frisch befeuchtet werden. Der Mond ist Beförderer des Pflanzenwuchses, Herr und Schutzpatron des Pflanzenreichs; der König aller Pflanzen aber ist als vornehmste und heiligste Pflanze der Soma. Der rötlich helle, feurige Somatropfen fließt ins Wasser, wie der helle, feurige Lichttropfen des Mondes in den Wolkenwassern schwimmt¹). So wird es begreiflich, daß der Mond als der in Himmelshöhen weilende Soma erscheinen konnte. Eine Idee, die dann bei den Rituallehrern, dazu auch bei den Poeten Indiens größten Erfolg gehabt hat. Aber das darf uns nicht verleiten, ihr Gewicht für den Ṛgveda falsch einzuschätzen. Sofern sie dort überhaupt berührt wird, hat sie schlechterdings nicht die Bedeutung, Somakult und Somapoesie verständlich zu machen, indem sie diese als Mondkult und Mondpoesie enthüllt. Sondern Kult und Poesie gilt dem heiligen, wunderkräftigen Rauschtrank. Unter den Spielen der Phantasie aber, die dessen Erscheinung umgeben, tritt als eines unter vielen, in bescheidener Geltung auch das mit dem Mondmotiv auf.