Pramāṇa · Search · About · API

Die Religion des Veda c7.s2.28

Die Religion des Veda c7.s2.28

Language
German

c7.s2.28

Überblicken wir die hier gesammelten Züge des Mythus, so drängt sich die Frage auf, ob da in der Tat, wie viele meinen, von Gewitter und Regengüssen die Rede ist. Daß die vedischen Dichter an diese gedacht haben, scheint mir im wesentlichen durchaus zu verneinen¹). Ein Gott kämpft mit einem schlangengestalteten Dämon und öffnet das Innere der Berge; die Wasser der Flüsse strömen hervor dem Meere zu: das ist es was die Hymnen sagen. Man darf diese einfache Vorstellung nicht durch die Erklärung verwirren, mit den Bergen hätte man Wolken und mit den Flüssen Regenströme gemeint. Das hat man nicht; die Berge waren wirkliche Berge und die Flüsse Flüsse. Hätte man von Wolken und Regen sprechen wollen, könnte nicht an den zahllosen Stellen die Metapher von den Bergen und Flüssen gleichbleibend wiederkehren, ohne daß irgendwo die Sache beim rechten Namen genannt wäre. Wo die Dichter Wolken und Regen meinen, brauchen sie andere Ausdrücke als die stehenden der Indralieder. Man vergleiche etwa das große Lied an Parjanya, den Gott des Regens und Gewitters (V, 83). Da ist von Regen und immer wieder von Regen, Blitz, Donner die Rede; der Gott läßt seine Regenboten erscheinen; er schafft die Regenwolke; Regen vom Himmel her spenden die Maruts; man bittet Parjanya: du hast Regen regnen lassen, nun hör auf. Er schlägt die Bäume, und donnernd schlägt er die Missetäter; die Löwenstimme des Donners erhebt sich; die Blitze fliegen. So schildert ein vedischer Poet das Gewitter: von Indra aber wird im Ṛgveda fast nirgends²) gesagt, daß er es regnen läßt³). Die Zauberhandlungen für Regenerlangung richten sich überwiegend an andere Götter als Indra. Dagegen sind es personifizierte Flüsse, zweifellos irdische Flüsse, Vipaś und Śutudrī (Biyas und Setledj), die von Indras Tat, durch die sie befreit sind, genau in den stehenden Wendungen der Indralieder reden: „Indra hat uns die Bahn eröffnet, der Träger des Vajra; er hat Vṛtra niedergeschlagen, der die Ströme umfaßt hielt... Immer wieder zu preisen ist Indras Heldentat, daß er die Schlange zerhieb. Mit dem Vajra hat er die Umhegungen zerschlagen; die Wasser liefen nach Lauf verlangend“¹). Danach ist es klar: für die Dichter handelt es sich bei Indras Sieg nicht um das Gewitter, sondern darum, daß aus Felsentiefen der Gott die Quellen hat hervorbrechen lassen, die als Flüsse den Fluren Segen bringen.

Linked texts (1)