Die Religion des Veda c7.s2.33
Die Religion des Veda c7.s2.33
- Language
- German
c7.s2.33
Ausgeschlossen ist es nicht, daß damit der ursprüngliche Sinn des Mythus erreicht ist, daß dieser entstanden ist als Antwort auf die Frage, wie die Menschen des unschätzbaren Gutes der Flüsse teilhaftig geworden sind²). Aber doch bleibt möglich, ja, wie ich meine, überwiegend wahrscheinlich, daß wir es vielmehr mit einem ursprünglichen Gewittermythus zu tun haben, daß es in vorvedischer Zeit Wolkenquellen waren, bei denen die Schlange lagerte, daß der Vajra seinem ursprünglichen Wesen nach die Blitzwaffe war. Allzu ähnlich ist der Vṛtrakampf dem stehend wiederkehrenden, bedeutenden Gebilde so vieler Mythologien, der Gewitterschlacht. Allzusehr gleicht Indra dem, man möchte meinen ihm verwandten, Donar-Thor der Germanen, Indras Vajra dem Hammer Thors, der Blitzwaffe³). Welche Naturerscheinung bei dieser Deutung des Mythus in Vṛtra verkörpert ist, sollte man wohl nicht fragen. Vṛtra ist der für die Erzählung von einem siegreichen Kampf unentbehrliche Besiegte — bei dem Schatz, der erbeutet wird, der unvermeidliche feindliche Hüter: das beliebte Motiv des schatzbewachenden Drachen. Daß die gewaltige Bedeutung der Flüsse für das menschliche Dasein im Pendschab diese in der Vorstellung der Mythenerzähler an die Stelle der Regengüsse treten lassen konnte¹), ist wohl begreiflich.