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Die Religion des Veda c7.s2.55

Die Religion des Veda c7.s2.55

Language
German

c7.s2.55

Die Feinde treten hier als ein ganzer Trupp auf; sie heißen die Paṇis. Wohl auf diese Paṇis des Mythus wird hingeblickt, wenn im Ṛgveda recht häufig für eine Gestalt des wirklichen Lebens die Bezeichnung Paṇi erscheint: es ist der Typus des bei Sängern und Priestern natürlich besonders unbeliebten Reichen, der mit Opfern und den zugehörigen Gaben an den geistlichen Stand geizt²). Die Paṇis — so erzählt der Mythus — besitzen Kuhherden, die sie in weitester Ferne, jenseits des weltumfließenden Stromes Rasā, in einer Felshöhle verborgen halten. Indras Botin, die Götterhündin Saramā, hat den Spalt des Felsens ausgespürt, das Brüllen der Kühe gehört. Sie verlangt in Indras Namen die Kühe, wird aber von den Panis mit Spott zurückgewiesen. Nun naht Indra selbst mit den Angiras oder mit den „sieben Priestern“, den Vorfahren der priesterlichen Geschlechter. Die Höhle tut sich auf, oder Indra öffnet sie für die Angiras, oder auch diese selbst sprengen sie auf „durch ihre Worte“ oder „durch ihre Litaneien“, „durch ihr Getön“, „singend“, „mit entflammtem Feuer“ — die Vorstellung ist offenbar, daß diese ersten Priester so wie ihre Nachkommen bei einem Opferfeuer singen und rezitieren und durch die magische Kraft dieser Handlung den verschlossenen Felsen öffnen. Es heißt auch, daß sie den Felsen geöffnet haben „durch das Ṛta“ (d. h. das Recht)¹; in ihrem heiligen Tun und in dessen Wirkungen manifestiert sich das Recht der ewigen Weltordnung. Auch Agni tritt hier und da als beteiligt auf (s. oben S. 100. 111): erklärlich, daß neben dem rituellen Gesang auch — wie eben schon berührt wurde — das Opferfeuer nicht fehlt; doppelt erklärlich, wenn der ganze Mythus auf die Erlangung des Lichts zu beziehen sein sollte (S. 147); die Entflammung des Feuers ist ein Zauberakt, der den Aufgang der Sonne herbeiführt. Vor allem aber wird neben den priesterlichen Vätern noch eine göttliche Person als handelnd genannt, Bṛhaspati, der „Gebetsherr“ oder besser „Herr des heiligen Worts“²); seine Rolle ist im Grunde von derjenigen der Angiras, zu deren Geschlecht er selbst gehört, nicht verschieden; er, die Personifikation der Macht des heiligen Wortes und heiligen Liedes, öffnet „mit feuererhitzten Liedern“ die Höhle. Er zerbricht sie und treibt die Kühe heraus wie man ein Ei zerbricht und den jungen Vogel herausholt oder wie man das Mark aus dem Knochen holt. Vala, der Dämon der Höhle, klagt um die entführten Kühe, wie die Wälder um das Laub, das der Winter ihnen geraubt hat. So sind die Kühe und ist damit alle Nahrungsfülle den Menschen, den Priestern gewonnen: der Verschluß der Kühe ist gefunden „woher die menschlichen Stämme ihre Nahrung nehmen“; die Angiras haben „alle Nahrung des Paṇi gefunden“; Indra hat als erster „dem Brahmanen die Kühe gefunden“, „dem *bráhman* die Kuh. leicht erlangbar gemacht“. Mit dem Gewinn der Kühe aber hängt der Gewinn des Lichts, der Morgenröten und der Sonne, eng zusammen; die Stellen, die diese Verknüpfung ergeben, sind zahlreich. Die priesterlichen Väter „trieben die Kühe heraus nach den Morgenröten rufend“; „sie fanden das Licht“. „Sichtbar wurde die Rote durch der Kuh glänzende (Milch?). Es verschwand das unruhige Dunkel; der Himmel erglänzte; das Licht der Göttin Morgenröte erhob sich; die Sonne beschritt die weiten Gefilde, Recht und Unrecht unter den Sterblichen schauend.“ Als Indra mit den Vätern den Kühen nachging, „fand er die Sonne, die in der Finsternis weilte“ Die Väter, die den Felsen zerbrachen, „fanden Tag und Sonne, das Licht der Morgenröte“. „Durch das Recht (*ṛta*) warfen sie auseinander den Stein, ihn zerspaltend; die Angiras brüllten (d. h. sangen) zusammen mit den Kühen. Zum Heil umsaßen die Männer die Morgenröte; die Sonne ward sichtbar, als Agni geboren war.“ Bṛhaspati „fand Morgenröte, Sonne und Feuer; mit seinem Lied zerstreute er die Finsternisse“. „Er trieb die Kühe heraus, zerspaltete durch heiliges Wort die Höhle; er verbarg die Finsternis und ließ die Sonne sehn“¹).

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