Die Religion des Veda c7.s2.64
Die Religion des Veda c7.s2.64
- Language
- German
c7.s2.64
Es ist möglich, vielleicht wahrscheinlich, daß jener Mythus eben nur die Antwort auf die Frage war, wie den Menschen der Besitz ihrer Rinderherden erworben ist ¹). Wer das Problem — vielleicht allzu einseitig — vom Veda her ansieht, dem wird noch ein anderer Gedanke naheliegen. Es ist bekannt, wie lebendig in der Vedasprache das Bild der roten Kühe für die Morgenröten ist. Und an einer Reihe von Stellen sprechen vedische Dichter von der Göttin Morgenröte in Ausdrücken, die unverkennbar an die Geschichte von der Kuhgewinnung erinnern oder ausdrücklich auf sie hinweisen. Von der Morgenröte heißt es, daß sie „das Dunkel öffnet wie Kühe ihre Hürde“. „Du hast“, sagt der Dichter zu ihr, „die Tore des festen Felsen geöffnet.“ „Sie zerbrach die Festen; sie gab von den roten (Kühen). Die Kühe haben der Morgenröte entgegengebrüllt.“ „Deine Kuhhürden fürwahr, o Uṣas, die du auf dem Bergesrücken wohnst, besingen die Aṅgiras. Sie haben sie zerspalten mit Lied und heiligem Wort; wahr ist geworden, um was die Männer zu den Göttern riefen“ ²). Ist es möglich, das Morgenrötenmotiv vom Veda bis zur Entstehung des Mythus zurückzuverlegen und diesen auf die Erlangung des morgendlichen Lichts zu deuten ³)? Hier scheint Beweis wie Widerlegung gleichermaßen ausgeschlossen. —