Die Religion des Veda c7.s2.72
Die Religion des Veda c7.s2.72
- Language
- German
c7.s2.72
Es handelt sich stehend um die Bezwingung von Feinden, die als *dāsa* oder *dasyu* bezeichnet werden. Dies sind die regelmäßigen Ausdrücke, mit denen die indischen Arier die dunkeln Ureinwohner benennen. So liegt von vornherein nahe, daß wir hier dem Nachklang geschichtlicher Ereignisse begegnen: die Überwindung dieser Feinde in Kämpfen, die bis nahe an die Gegenwart der Liederdichter heran oder bis in diese hinein die Volkskraft anspannten, erschien als Tat des kriegsmächtigen Gottes, den sich zum Freunde zu machen nur der Arier verstand. Allerdings wird sich zeigen, daß die Grenze zwischen den geschichtlichen Dāsa-bezwingungen und den rein mythischen Taten des Gottes keine scharfe ist. Dies kann ja nicht überraschen. War doch für die vedischen Dichter der Unterschied mythischer und historischer Vorgänge, an dem unsere Forschung ein so großes Interesse hat, nicht vorhanden. Für sie setzte sich der irdische Gegensatz der Arier und der dunkeln Dāsas in die Welt der Götter und Dämonen fort; der feindliche Dämon stand ihnen auf derselben Linie mit dem gehaßten und verachteten Wilden, war vielleicht in manchem Fall in der Tat nichts anderes als der Gott eines wilden Stammes. Und ebenso konnte die eindrucksvolle Gestalt eines feindlichen Führers sich mit Zügen bekleiden, wie die Teufel der Mythen sie tragen. So müssen wir von vornherein auf Unsicherheiten der Abgrenzung gefaßt sein, deren Aufklärung bei dem Nebel, der über den geschichtlichen wie den mythischen Elementen dieser Betrachtung liegt¹), und insonderheit bei der hoffnungslosen Knappheit der Unterlagen, die der Ṛgveda liefert, aussichtslos bleibt. Aber auch hier gilt, woran sich der Forscher, der in solchen Nebeln des Ṛgveda Gestalten erkennen will, beständig zu halten hat: ein Verhältnis, dessen Wirkung in diesem Chaos sich kreuzender Unbestimmtheiten an irgendwelcher Stelle aufgehoben ist, darf darum nicht ohne weiteres von der Untersuchung fallen gelassen werden; Charakterzüge, denen irgendwo widersprechende Züge beigemischt sind, können darum nicht weniger die maßgebenden sein. Es gilt, nicht in unterschiedsloser Beleuchtung das Entgegengesetzte aneinanderzureihen, sondern das fundamental Geltende gegenüber den sekundären Alterationen abzugrenzen.