Die Religion des Veda c7.s2.95
Die Religion des Veda c7.s2.95
- Language
- German
c7.s2.95
Ohne die Unsicherheit zu verkennen, die der Deutung dieser Stellen notwendig beiwohnt, glaube ich doch, wie schon angedeutet, daß der Kern, den sagenhafte Elemente umhüllen, in historischen Ereignissen liegt: nicht notwendig so, daß ein einzelner tatsächlicher Vorfall zu dieser Erzählung ausgestaltet sein müßte, sondern es kann auch der Gesamtcharakter mannigfacher Vorkommnisse das Material hergegeben haben, das hier zu einem Idealbild gestaltet und mit göttlichen Wundern ausgeschmückt ist. Der Held Kutsa, Sohn des Arjuna, ist der — sei es geschichtliche, sei es ideale — Ahnherr einer Familie der Kutsas. Daß er — ganz wie der oft mit ihm zusammen genannte Divodāsa Atithigva — an einigen Stellen als ein von Indra überwundener Feind auftritt ¹), verstärkt den Eindruck geschichtlicher Wirklichkeit. Ein Lichtheros wäre immer Freund, ein Dämon der Finsternis immer Feind des Sängers: wer hier Freund, dort Feind ist, wird — wie Divodāsa Atithigva — ein Mensch oder der ideale Repräsentant einer den einen Sängern befreundeten, den anderen feindlichen menschlichen Gruppe sein. Kutsa kämpft mit Dāsas, deren wirklicher Führer oder wieder deren idealer Repräsentant Śuṣṇa ist. Zuerst wird Kutsa von den Feinden bedrängt. Der Ausgang hängt vielleicht davon ab, ob der Tag lange genug währen wird. Da reißt, als das Dunkel hereinzubrechen droht ²), Indra das eine Rad vom Sonnenwagen ab und hemmt ihn dadurch; das andere — wie vielleicht die Phantasie eines einzelnen Dichters die Geschichte weiter ausgesponnen hat — gibt er Kutsa, der damit zum Siege fährt; Śuṣṇa erliegt. Der Mythus von Indra, der für das Menschengeschlecht die Sonne erlangt, mag die Erzählung beeinflußt haben; identisch aber ist sie mit jenem nicht. Hier ist das Wunder mit der Sonne nur Dekoration in einem Bilde geschichtlicher oder halbgeschichtlicher Kämpfe¹).