Die Religion des Veda c7.s3.16
Die Religion des Veda c7.s3.16
- Language
- German
c7.s3.16
Zwar der einzige an Mitra gerichtete Hymnus des Ṛgveda⁴) ist nur voll von allgemeinen Ausdrücken ohne Spur konkreter Züge, die auf eine solche Unterscheidung hinwiesen⁵). Aber im Atharvaveda (XIII, 3, 13) lesen wir, leider — das darf nicht verschwiegen werden — mitten unter einem recht wirren Gemisch alter mythologischer Brocken und moderner Spekulationen, folgende Wendung in bezug auf den in allen Wesen lebenden höchsten Gott: „Am Abend wird er Varuṇa, Agni; Mitra wird er morgens aufgehend.“ Das heißt abends identifiziert sich der Gott mit dem nächtlichen Träger des Lichts, Agni, und zugleich mit Varuṇa, den wir hier wie an den weiterhin zu besprechenden Stellen als Beherrscher der Nacht kennen lernen, morgens aber — was kann das aufgehende Wesen, das dann Mitra heißt, anders sein als die Sonne? Ich weiß von keiner Stelle des Veda, an der Mitras Identifikation mit der Sonne so bestimmt auftritt wie hier. Sehr viel häufiger sind Äußerungen, welche die Rolle von Varuṇa und Mitra kurzweg nach dem Gegensatz von Nacht und Tag oder Morgen unterscheiden. So im Atharvaveda (IX, 3, 18): „Was Varuṇa zusammengedrückt hat, soll Mitra am Morgen auseinanderbiegen.“ Und dann durch die ganze Brāhmaṇaliteratur zahlreiche Stellen, welche dieselbe Vorstellung wiederholen, daß Mitra der Tag, Varuṇa die Nacht gehört, daß Mitra den Tag, Varuṇa die Nacht geschaffen hat¹): wozu es stimmt, daß überhaupt nicht selten und in verschiedenen Formen bei Varuṇa im Unterschied von Mitra Züge des Düsteren, Unheimlichen, Gefährlichen hervortreten²). Damit steht denn auch im Ritual die öfters begegnende Vorschrift im Einklang, daß man Mitra ein helles, Varuṇa ein dunkles Opfertier, oder daß man beiden Göttern zusammen ein „zweigestaltetes“³) darbringen soll.
Linked texts (2)
- Atharvavedasaṃhitā — Atharvan & Aṅgiras, Sanskrit
- Ṛgvedasaṃhitā — Sanskrit