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Die Religion des Veda c7.s3.62

Die Religion des Veda c7.s3.62

Language
German

c7.s3.62

Das Geschehen, in dem das Ṛta zur Erscheinung kommt, ist ein höchst mannigfaltiges, durch die ganze Welt reichendes²). Für uns — begreiflicherweise nicht für die vedischen Dichter selbst — sondert sich zuvörderst das Wirken des Ṛta in der Natur ab. Die Vorgänge, deren stetes Sichgleichbleiben oder deren regelmäßige Wiederkehr die Vorstellung der Ordnung erweckt, gehorchen dem Ṛta oder ihr Geschehen ist Ṛta. „Ṛta strömen die Flüsse.“ „Nach dem Ṛta hat die himmelgeborene Morgenröte aufgeleuchtet.“ Die weltordnenden Väter „haben nach dem Ṛta die Sonne am Himmel emporgeführt“, die selbst „das helle, sichtbare Antlitz des Ṛta“ ist, während das Dunkel der Sonnenfinsternis, das unter Durchbrechung der Naturordnung die Sonne umhüllt, „dem Gebote zuwider“ (*apavrata*) sein Wesen treibt. Um den Himmel läuft das zwölfspeichige Rad des Ṛta, das nie alt wird — das Jahr. Besonders wird die Macht des Ṛta auch da sichtbar, wo das Befremdende, scheinbar Widerspruchsvolle zur immer wieder sich erneuernden Tatsache wird: jenes Wunder, welches dem Menschen Nahrung schafft, daß die dunkle Kuh die weiße Milch gibt, die rohe den garen Trank, wird vom vedischen Dichter als „das durchs Ṛta gelenkte Ṛta der Kuh“ gepriesen; Agni, das geheimnisvoll in Wassern und Pflanzen wohnende, aus den Reibhölzern hervorbrechende Feuer, heißt der Sproß des Ṛta, der im Ṛta geborene. Im Tun der Menschen wirkt das Ṛta als das sittliche Gesetz, das, um die von der vedischen Ausdrucksweise in den Vordergrund gestellten Wendungen zu gebrauchen, Wahrheit und Gehen auf dem geraden Wege gebietet. „Ṛta und Wahres“ ist eine stehende Verbindung; als Gegensatz zu „wahr“ wird häufig *anṛta* „was nicht ṛta ist“ gebraucht. Dem Menschen, der durch Trug oder tückischen Zauber seinem Mitmenschen schadet, steht der Ehrliche gegenüber, „der nach dem Ṛta trachtet“. „Wer dem Ṛta folgt, des Pfad ist schön zu gehen und dornlos.“