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Die Religion des Veda c7.s3.68

Die Religion des Veda c7.s3.68

Language
German

c7.s3.68

Nun aber mußte, ähnlich wie bei Homer die Macht der Moira mit der des Zeus, so im vedischen Glauben — oder richtiger im Glauben der Indoiranier — die Vorstellung vom weltordnenden Ṛta mit derjenigen von der Herrschermacht der Götter, „über deren Willen nicht lebt auch wer hundert Seelen hätte“ (X, 33, 9), in Einklang gesetzt werden. Vor allem waren es Varuṇa und die Ādityas, deren königlicher Charakter es mit sich brachte, daß ihnen ein Wirken ähnlich dem des Ṛta beigelegt wurde. In ihrer souveränen Herrlichkeit erschienen sie vor allen anderen Göttern¹ als Begründer und Lenker der Gesetzmäßigkeit in Natur und Menschenleben. Die Morgenröten leuchten nach dem Ṛta auf, heißt es einmal; ein anderes Mal läßt der Dichter sie, die heute und morgen gleich erscheinen, der großen Satzung (*dhāman*) des Varuṇa folgen. Wir führten schon oben (S. 182) den Vers an: „Jene Bären²), die dort droben hingesetzt sind, die man nachts sieht, sie sind bei Tage fortgegangen, wohin auch immer. Untrüglich sind Varuṇas Gebote (*vrata*). Der Mond geht einher durch die Nacht blickend.“ Jahreszeiten, Monde, Tage und Nächte haben die Ādityas geordnet, das Opfer und den Opferspruch. Den Geboten Varuṇas, oder den Geboten des Mitra und Varuṇa folgt der Fromme, aber doch ist es Menschenart, Varuṇas Gebot Tag für Tag zu verletzen, wie Untertanen ihres Königs Gebot. Yama, der sich auf das Ṛta beruft, wie er Yamīs verbotene Liebe zurückweist, spricht zu ihr auch von der „großen Satzung des Mitra und Varuṇa“. So deckt sich der Inhalt des Ṛtabegriffs mit den Satzungen (*dhāman*), den Geboten (*vrata*) des Mitra und Varuṇa. Und so konnte es nicht ausbleiben, daß neben Äußerungen, die das Ṛta als weltumfassende Macht verstehen, ohne Hinblick auf eine Gottheit, die es gegründet hätte oder regierte (s. z. B. IV, 23, 8—10), sich auch solche finden, in denen es als Schöpfung des Varuṇa gefaßt wird, und anderseits wieder solche, die Varuṇa sozusagen zu einem obersten Diener des Ṛta machen: eine Mehrheit von Auffassungen, die ähnlich wie die Schwankungen der homerischen Vorstellungen über das Verhältnis von Zeus und Moira das natürliche Ergebnis der Kreuzung verschiedener, unabhängig entstandener Vorstellungsreihen in der von dogmatischen Fixierungen wenig berührten, widerspruchsreichen Sphäre des vedischen Glaubens darstellt.

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