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Die Religion des Veda c7.s3.77

Die Religion des Veda c7.s3.77

Language
German

c7.s3.77

Varuṇa als Wassergott. Anhangsweise mögen über eine für das vedische Zeitalter nebensächliche Seite am Wesen Varuṇas hier wenige Bemerkungen gemacht werden: über sein Verhältnis zu den Wassern. Varuṇa, oder häufiger das Paar Mitra-Varuṇa, läßt es regnen; sie gehören zu den Göttern, die am häufigsten um Regen angerufen werden: eine sehr natürliche Funktion für diese himmlischen Machthaber, aus deren hohem Reich der Regen herabfällt — vielleicht auch im letzten Grunde eine Konsequenz der weitverbreiteten Vorstellung, daß der Mond den Regen sendet²). Wenn der letztbezeichnete Zusammenhang von den vedischen Dichtern natürlich nicht mehr verstanden wurde, scheint doch ihre Ausdrucksweise gelegentlich die ursprüngliche Vorstellung geradezu auszusprechen, so wenn es von den himmlischen Wassern heißt: „In deren Mitte König Varuṇa einhergeht³), herabblickend auf Wahrheit und Unrecht unter den Menschen, die honigträufelnden, glänzenden, läuternden, die göttlichen Wasser mögen hier mich segnen“ (Ṛv. VII, 49, 3). Weiter aber steht Varuṇa zu den Wassern in Beziehung, indem er als Herr aller Naturordnungen den Flüssen ihre Bahn anweist. Von diesen Ausgangspunkten aus entwickelt sich die Vorstellung dahin, daß Varuṇa sich in die Flüsse wie in ein Kleid hüllt (Ṛv. IX, 90, 2), daß die sieben Flüsse ihm zujauchzen wie Kühe ihrem Kalb zubrüllen, daß sie „in seinem Schlund hinströmen wie in einer hohlen Röhre“ (VIII, 69, 11. 12). Ja die später so hervortretende Beziehung Varuṇas, des indischen Poseidon, zum Meer findet sich schon im Ṛgveda¹). „Am Himmel,“ heißt es (I, 161, 14), „gehen die Maruts einher, auf der Erde Agni; durch die Luft geht der Wind dort. Durch die Wasser, die Meere geht Varuṇa.“ Die Stelle steht im wesentlichen allein, was bei der geringen Bedeutung des Meeres für die ṛgvedische Zeit nicht befremdet²). Und überhaupt ist festzuhalten, daß die Verbindung zwischen Varuṇa und den Wassern im ältesten Veda noch merklich von dem hervortretenden Charakter entfernt ist, der ihr später zukommt³). Wie sich dieser Charakter entwickelt hat — wie auf der einen Seite die zentrale, weltbeherrschende Macht des alten Varuṇa verblaßte und auf neue Gottheiten überging, auf der anderen die jüngere Zeit das Bedürfnis nach einem Meergott lebhafter empfand, wofür eben diese Seite Varuṇas die Anknüpfung bot — kann hier nicht näher erörtert werden¹).

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