Die Religion des Veda c7.s5.25
Die Religion des Veda c7.s5.25
- Language
- German
c7.s5.25
Zuletzt hebe ich als eine Eigentümlichkeit wenigstens des jüngeren vedischen Rudratypus — im Ṛgveda scheinen Spuren davon nicht wahrnehmbar — die Tendenz des Gottes hervor, in massenhaften Anhäufungen von Benennungen, in ebenso massenhaften Wohnsitzen, in einer überall sich kundgebenden Allgegenwart und Vervielfältigung seines Wesens sich ins Unbestimmte auszudehnen. Man feiert ihn als den großen Gott, den Herrscher, den Viehherrn, den Gnädigen, den Gewaltigen, den Furchtbaren. Ein Abschnitt der Yajurveden bleibt mit seiner Benennung als das „Hundertrudrakapitel“ weit zurück hinter der tatsächlich dort angehäuften Menge von Namen für Rudra und die Rudras, „die tausendfach zu Tausenden auf der Erde sind … die Rudras auf der Erde, in der Luft, im Himmel“. „Sein sind alle Namen, alle Heere, alle Erhabenheiten“²). Überall fühlt man seine gefährliche Nähe. An einem Kreuzweg soll man sprechen: „Verehrung dem Rudra, der auf den Wegen wohnt, dessen Pfeil der Wind ist! Verehrung dem Rudra, der auf den Wegen wohnt!“ Mit entsprechenden Formeln verehrt man ihn bei einem Düngerhaufen als den Rudra, der unter dem Vieh wohnt, an einer von Schlangen heimgesuchten Stelle als den Rudra, der unter den Schlangen wohnt, bei einem Wirbelwind als den Rudra, der in der Luft wohnt, beim Untertauchen in einem wasserreichen Fluß als den Rudra, der in den Wassern wohnt, und überhaupt an schönen Stätten, an Opferplätzen, bei großen Bäumen als den Rudra, der da und da — je nach der jedesmaligen Situation — wohnt¹). Betritt ein Brahmane, der die Lehrzeit hinter sich hat und in allen Bewegungen strengsten Regeln unterworfen ist, das Dorf auf einem anderen als dem Hauptweg, soll er sprechen: „Verehrung dem Rudra, dem Herrn der Stätte“²). In der Einsamkeit zeigt sich Rudra plötzlich: „die Rinderhirten haben ihn gesehen, ihn haben die Wasserträgerinnen gesehen“³). Im Wald gehört ihm alles wilde Getier und die Vögel; seine Macht weilt in den Wassern, beherrscht Fische und Delphine. Er ist der Herr der Felder, der Bäume; tut er seine Waffe von sich, so legt er sie auf dem höchsten Baum nieder⁴). Er steht im Luftreich und blickt mit seinen tausend Augen über die Erde hin; vom östlichen Meer trifft er bis zum westlichen⁵).