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Die Religion des Veda c7.s5.37

Die Religion des Veda c7.s5.37

Language
German

c7.s5.37

Man hat gegen diese Auffassung²) eingewandt, daß sie eben aus dem Ṛgveda nicht begründbar ist, in welchem Rudra vielmehr „der Asura des großen Himmels“, „des Himmels roter Eber“ heißt, sein Geschoß „vom Himmel her entsandt über die Erde hingeht“. Entscheidend scheint mir, wenn man den Charakter der Quellen berücksichtigt, dieser Einwand nicht. Doch möglich bleibt in der Tat, daß jene Deutung Züge an Rudras Wesen allzusehr in den Vordergrund stellt, die nur neben anderen ihre Gültigkeit haben, vielleicht gar — obwohl ich das bezweifle — erst in jüngerer Zeit neben jene anderen getreten sind. Und so wird es für den gegenwärtigen Stand unseres Wissens geboten sein, dabei haltzumachen, daß sich als Grundvorstellung im Wesen Rudras die eines Entsenders von Seuchen aus unbegreiflicher Ferne über Menschen und Vieh herauszustellen scheint³). Möglich, daß ein solcher Gott zu allerletzt aus Vorstellungen von schadenden Seelen hervorgegangen ist, die hier zu Dimensionen ähnlich denen der himmlischen Götter angewachsen wären⁴). Möglich auch, daß vielmehr jener oben bezeichnete Typus des Berg- und Waldgottes zugrunde liegt oder mit hineingeflossen ist: wie es anderseits umgekehrt auch möglich ist, daß der unheimliche Entsender rätselhaft hereinbrechenden Übels eben deshalb, weil man ihm im befriedeten Dasein der Heimat keine Stätte gewähren mochte, immer entschiedener als Bewohner unwirtlicher Wildnis erschienen ist. Möglich ist endlich auch, daß den Urbewohnern Indiens ein größerer oder geringerer Anteil am Aufbau dieser Vorstellungen zukommt: man hat auf die bemerkenswerte Vorschrift einiger Ritualtexte hingewiesen, daß der von Viehseuche Betroffene dem Rudra durch einen Häuptling aus dem Urbewohnerstamm des Niṣādas opfern lassen soll ¹). Ich möchte in diesem vereinzelt dastehenden Ritus meinerseits doch kaum eine irgend sichere Spur nichtarischer Herkunft der Rudraverehrung finden. Leicht könnte ein Einfall vorliegen, der ähnlich wie sonst durch wildgewachsene Opfergaben ²) so hier durch einen entsprechend charakterisierten Opferer die Natur Rudras als des in der Wildnis hausenden symbolisiert ³).