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Die Religion des Veda c7.s6.130

Die Religion des Veda c7.s6.130

Language
German

c7.s6.130

Die Apsaras sind mit höchster, sinnberückender Schönheit geschmückt und Meisterinnen aller Liebeskunst. Neben ihren göttlichen Liebhabern, den Gandharven, genießen auch Menschen ihre Gunst. An sie knüpft sich in Indien jene uralte Sage, die in der griechischen Poesie wie im heutigen Volksglauben zu Hause, bei zivilisierten wie bei Naturvölkern¹) gleich verbreitet ist: von der Ehe des Götterweibes mit dem menschlichen Gatten, von Thetis, Melusine, den Baumgöttinnen, den Seligen Fräulein, die mit Menschen in ehelicher Gemeinschaft leben²). Die indische Heldin der Geschichte ist die Apsaras Urvaśī, ihr Gatte König Purūravas³). Wie regelmäßig der Bestand dieser göttlich-menschlichen Ehen an eine Bedingung geknüpft, vom Gehorsam gegen irgend ein tabuartiges Verbot abhängig ist, so auch hier. Purūravas darf sich der Nymphe nie nackt zeigen: wohl, wie die parallelen Erzählungen anderer Völker vermuten lassen, die Umformung einer ursprünglicheren Fassung, nach der es die Göttin war, die nie nackt in ihrer wahren Gestalt erblickt werden durfte⁴). Die Gandharven, welche die Apsaras nicht dem Sterblichen überlassen wollen, bewirken durch List, daß die Bedingung gebrochen wird. Sie veranstalten einen nächtlichen Lärm; Purūravas springt nackt von der Seite seiner Gattin auf; es blitzt; sie hat ihn erblickt und verschwindet. Klagend wandert er durch das Land, da sieht er auf einem Lotusteich die Apsarasen, unter ihnen die Verlorene, wie Schwäne herumschwimmen und miteinander spielen. Er fleht sie an ihm Rede zu stehen, aber sie weist ihn ab: „Was soll ich mit diesem deinem Worte tun? Ich bin hingegangen wie die erste der Morgenröten. Purūravas, geh heim! Schwer zu fassen wie der Wind bin ich!“ Er verzweifelt; in einen Abgrund will er sich stürzen; die wilden Wölfe sollen ihn zerreißen. Sie tröstet ihn grausam: „Purūravas, du sollst nicht sterben, dich nicht in den Abgrund stürzen; die wilden Wölfe sollen dich nicht fressen. Mit den Weibern gibt es keine Freundschaft; sie haben Herzen wie Hyänen.“ Den Sohn, den sie ihm geboren, verspricht sie ihm zu senden; und endlich wird auch seine Sehnsucht nach ihr selbst befriedigt, freilich nicht auf dieser Erde: „So sprechen die Götter zu dir, Sohn der Iḍā, daß du nun einmal dem Tode angehörig bist. Deine Nachkommen sollen die Götter mit Opfer verehren, du selbst aber sollst im Himmel Freuden genießen“¹).