Die Religion des Veda c7.s6.24
Die Religion des Veda c7.s6.24
- Language
- German
c7.s6.24
Auf diese Vorstellung vom Schreiten durch weite Räume führt immer wieder die stehende Phraseologie der Viṣṇuhymnen und auch die kaum zweifelhafte Etymologie des Namens Viṣṇu hin²). Wenn der Gott dem Menschen die Erde zu bewohnen gegeben hat, wenn er selbst in der Höhe weilt, fällt für den Dichter, der hiervon redet, der Nachdruck darauf, daß er die ganzen Weiten der Erde durchmessen hat dem Menschen zur Wohnung¹), daß es die höchste Höhe ist, die er mit seinem dritten Schritt erstiegen hat. Ich glaube — und das schon berührte Schwanken der näheren Auffassung im Ṛgveda bestärkt mich in dieser Ansicht —, daß der Dreizahl der Schritte eine konkrete Naturvorstellung von Anfang an nicht entsprochen hat: die Drei verdankt ihre Stellung hier vielleicht nur der allgemeinen Gunst, die diese Zahl genießt, und Widerspiegelung einer allgemeinen Neigung der Phantasie ist es auch nur, wenn dabei das Dritte als das besonders Geheimnisvolle erscheint. In diesem Zusammenhang wird auch die Bundesgenossenschaft Viṣṇus mit Indra leicht verständlich. „Da sprach Indra,“ heißt es, „als er Vṛtra töten wollte: Freund Viṣṇu, schreite weiter aus!“ „Freund Viṣṇu, schreite weiter aus! Himmel, gib Raum, daß der Vajra sich gegen dich stemme. Den Vṛtra wollen wir beide töten und wollen die Ströme rinnen lassen; wie Indra sie treibt, mögen sie frei ihren Weg gehen“²). Es ist wohl kein Zweifel, welche Rolle hier Viṣṇu zufällt. Als Töter Vṛtras, als Befreier der Ströme erscheint er nur in einer ganz auf der Oberfläche liegenden Anähnlichung an Indra. Aber wie die vedischen Dichter es lieben, die Taten, welche die Ordnung der Welt und das glückliche Dasein der Menschheit begründen, mit dem Vṛtrasieg in Verbindung zu setzen, so muß hier Viṣṇu zugleich mit der Vṛtratötung das vollbringen, was die ihm eigene Tat ist: er muß weit ausschreiten und dadurch Indra das große Schlachtfeld für seinen Sieg schaffen.