Die Religion des Veda c7.s6.55
Die Religion des Veda c7.s6.55
- Language
- German
c7.s6.55
Den Typus eines Gottes, bei dem eine bestimmte, für ihn charakteristische Art und Sphäre der Tätigkeit den Rahmen abgibt — einen Rahmen, in dessen vergleichsweise abstrakten Umkreis dann natürlich auch andere, vielleicht ältere mythische Materialien, als jener Rahmen selbst ist, sich einfügen können —, finde ich auch in dem Gott Tvaṣṭar. Sein Name, von derselben grammatischen Bildung wie Savitar, scheint etwa den „rührigen Wirker“ zu bedeuten. Tvaṣṭar ist der Handwerker oder Künstler unter den Göttern, der Zubereiter der Formen (*rūpa*), der selbst allgestaltig (*viśvarūpa*) „mit Form alle Wesen geschmückt hat“ (X, 110, 9)¹). Er schmiedet Kunstwerke wie Indras Waffe, mit der dieser den Vṛtrasieg erringt; von ihm stammt der Becher der Götter her, den dann die Ṛbhus seine Kunst überbietend in vier Becher verwandeln. Vor allem aber ist er auch der Gestalter der lebenden Formen, der tierischen²) und der menschlichen. So waltet er über der Zeugung. Unter den Anrufungen, die in alter festgeordneter Reihenfolge das Tieropfer einleiten, richtet sich eine an ihn, um dem Opferer Kindersegen zu erwirken: „Den gedeihenbringenden Samen, Gott Tvaṣṭar, spende uns und laß ihn fließen, aus dem ein tatkräftiger Held geboren werde, wohlgeschickt, ein Somapresser und Götterfreund“³). Als Gott der Zeugung hält er enge Freundschaft mit den Götterfrauen; wenn beim Opfer die menschliche Frau, die Gattin des Opferers, zu einem Fruchtbarkeitszauber herangeführt wird, ist es der speziell zu Tvaṣṭar in Beziehung stehende Priester, der Neṣṭar, der die betreffenden Zeremonien zu leiten hat⁴). Als Gott der Fruchtbarkeit aber ist Tvaṣṭar vor allem selbst der Vater κατ᾽ ἐξοχήν: „Tvaṣṭar hat den Helden gezeugt, den Götterfreund; von Tvaṣṭar stammt der Renner, das rasche Roß; Tvaṣṭar hat diese ganze Welt erzeugt“¹). Er ist Vorfahr des Menschengeschlechts, insofern seine Tochter Mutter Yamas, des ersten Menschen war, und Tvaṣṭar selbst, der gestaltbildende Gott, diesem Sprößling in seiner Tochter Schoß die Gestalt gegeben hat²). In Tvaṣṭar sieht man aber auch den Vater der mächtigsten Götter. Er ist Vater Agnis³); er ist, scheint es, Vater vor allem Indras⁴). So gerät er in den Mythus von den Gewalttaten des eben geborenen Indrakindes hinein, das seinem Vater den Soma stiehlt, ihn selbst aber bei den Füßen packt und tötet. Man sieht, wie die Verkettungen der Vorstellungen auf den verschiedenen Wegen, die sie nehmen, zu entgegengesetzten Rollen Tvaṣṭars in seinen Beziehungen zu Indra führen: dort der Schmied, der als Freund Indras ihm die Waffe schafft; hier der Vater Indras, gemordet von seinem kaum geborenen Kinde. —
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- Ṛgvedasaṃhitā — Sanskrit