Die Religion des Veda c7.s6.88
Die Religion des Veda c7.s6.88
- Language
- German
c7.s6.88
Himmel und Erde, Sonne und Mond, Berge und Flüsse, Gandharven und Apsaras, Bäume und Kräuter. — Himmel und Erde sind für den vedischen Glauben göttliche Mächte von nur schattenhafter Bedeutung; man hat mit Recht bemerkt, daß neben der Gaia hier kein Zeus, sondern ein Uranos steht. Wohl wird mit einem aus uralter Zeit ererbten Ausdruck vom Vater Himmel, Mutter Erde gesprochen; sie geben den Menschen reiche Spenden, triefen von Fett und Süßigkeit; der Himmel insonderheit erhält mit einer gewissen Regelmäßigkeit das Beiwort des „Wundermächtigen“ (*asura*). Aber zu lebendigerer Personifikation, zu ausgeprägter Geltung im Kultus sind Himmel und Erde nicht gelangt. Nicht viel anders verhält es sich mit Sonne und Mond: wir sprechen nicht von dem vielleicht aus der Fremde aufgenommenen Sonnengott Mitra und Mondgott Varuṇa, deren Beziehung zu den großen Gestirnen in vedischer Zeit nicht oder kaum mehr verstanden wurde und bei denen der Verdunklung der Naturbedeutung ihre Herausbildung zu göttlichen Persönlichkeiten voll ethischen Gehaltes entsprach, sondern wir haben es mit dem Sonnengott zu tun, welcher „Sonne“ (Sūrya)¹, mit dem Mondgott, der „Mond“ (Mās, Candramas) hieß. Was insonderheit Sūrya anlangt, so ist der, mit seinem Licht die bösen Geister vertreibend, ein durchaus wohltätiger Gott; die tötende Macht der Sonnenglut gibt hier nicht das entscheidende Motiv ab. Aber gegen Götter wie Indra, Agni, Varuṇa tritt Sūrya weit zurück. Die Vorstellungen von seiner Gestalt sind voll von Schwankungen: bald ist er das Auge der Götter, bald ein glänzendes Roß, bald ziehen ihn wie einen einherfahrenden Helden die sieben goldfarbenen Stuten auf seinem Wagen, oder wie ein liebender Jüngling geht er der Geliebten nach, der Göttin Morgenröte. Neben ihm gibt es vielleicht (S. 212 f.) auch eine weibliche Personifikation der Sonne, die Göttin Sūryā, in Mythen auftretend, welche die Sonne als göttliche Braut zeigen. Von der Verbindung der Sūryā — hier auch als „Tochter des Sūrya“ aufgefaßt — mit den Aśvin war schon die Rede (S. 212 f.). Als Prototyp der menschlichen Hochzeit aber gilt, besungen in einem Hymnus (X, 85), dessen Vortrag zu den vornehmsten Ausschmückungen der Hochzeitsfeier gehörte, die Hochzeit der Sūryā mit Soma dem Mond: da waren die Aśvin die Werber, Agni der Brautführer; die verschiedenen Teile des Wagens, auf dem die Brautfahrt vor sich ging, und die Ausrüstungsstücke der Braut wurden in mystisch-phantastischem Spiel den großen Potenzen des Opfers und des Universums gleichgesetzt, mit denen die priesterliche Spekulation sich zu beschäftigen liebte.
Cites (1)
- Ṛgvedasaṃhitā — Sanskrit