Die Religion des Veda c7.s6.93
Die Religion des Veda c7.s6.93
- Language
- German
c7.s6.93
Verweilen wir zunächst bei den Wassern und Flüssen. Die Wasser werden als Mütter vorgestellt, „die himmlischen und die rinnenden, die ergrabenen und die von selbst entstandenen, die hellen, läuternden, dem Meere zustrebenden“ (VII, 49, 2). Sie enthalten in sich alle Heilmittel; sie schwemmen Böses und Schuld hinweg. Von Leben erfüllt begegnen sie dem Menschen. Sie wachen im Haus über seinem Wohlsein². Wenn die Priester für das Opfer Wasser holen, sprechen sie zu den Gewässern: „Ihm, der euch aus eurem Gefängnis zur Freiheit geführt, der euch von dem großen Fluch erlöst hat, dem Indra sendet eure süße Woge, den Göttern zum frohen Trank, ihr Wasser. Sendet ihm eure süße Woge, eure Leibesfrucht, ihr Wasser, den Born der Süßigkeit — eure Woge, deren Rücken von Butter glänzt, die man bei den Opfern preist. Hört meinen Ruf, ihr reichen Wasser!“ (X, 30, 7. 8). Wenn man eine Wassertonne aufstellt, gießt man Wasser hinein mit dem Spruch: „Ihr reichen Wasser, ihr waltet der Güter; rechten Geist tragt ihr in euch und Unsterblichkeit. Ihr seid Herrinnen von Reichtum und Nachkommensegen. Solche Kraft verleihe Sarasvatī dem Sänger“¹). Vor allen anderen Wassern werden natürlich die Flüsse verherrlicht. Zu den Flüssen Vipāś und Śutudrī, die der Stamm der Bharatas auf einem Kriegszug überschreiten will, spricht Viśvāmitra, der Sänger des Stammes: „Hört, ihr Schwestern, auf den Sänger. Aus der Ferne bin ich zu euch gekommen mit Streitwagen und Troß. Beugt euch nieder; seid leicht zu überschreiten; reicht nicht bis zu den Achsen, ihr Ströme, mit euren Fluten“ (III, 33, 9). Am höchsten aber unter allen Flüssen steht in der Verehrung der Frommen die Sarasvatī, an der wichtige Kultstätten des eben genannten, für das vedische Sakralwesen offenbar besonders bedeutsamen Bharatastammes gelegen haben müssen²): die Göttin Bhāratī d. h. die personifizierte Opferspende der Bharatas³) und die Flußgöttin Sarasvatī werden zusammen⁴) an fester Stelle der alten, das Tieropfer einleitenden Āprīlitanei angerufen. „Beste Mutter,“ betet man zu ihr, „bester Fluß, beste Göttin, Sarasvatī! Wie die Ruhmlosen sind wir: Ruhm schaffe uns, Mutter“ (II, 41, 16). Sie ist Förderin der Gebete¹); sie hat den Bharatas einst den mächtigen König, dem Fürsten Vadhryaśva den ruhmreichen Sohn Divodāsa gegeben²).
Linked texts (1)
- Ṛgvedasaṃhitā — Sanskrit