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Die Religion des Veda c7.s7.13

Die Religion des Veda c7.s7.13

Language
German

c7.s7.13

Die Gestalt der bösen Dämonen ist meist menschenähnlich¹) — so ist oft von ihrem Haupt und ihren Augen, ihrem Herz, Lunge, Leber und dgl. die Rede —, vielfach aber durch irgend eine ungeheuerliche Eigenschaft oder Mißbildung entstellt: es kommen dreiköpfige Dämonen vor, ein zweimündiger, vieräugiger, fünffüßiger, fingerloser, Unholde mit verkehrten Füßen — die Zehen nach hinten, die Ferse nach vorn —, Dämonen mit Hörnern an den Händen, Gelbauge, Därmmund, Bärenhals, die Kübelhoden²). Manche Dämonen haben Tiergestalt; so überfallen Hundegeister das Kind mit einer bestimmten Krankheit (Epilepsie?); es gibt den Eulenspuk, Hundespuk, Wolfspuk, Geierspuk³). Viele Dämonen scheinen pflanzengestaltig zu sein⁴). Oft aber sind es nur angenommene Gestalten, tierische oder menschliche, in denen die Geister erscheinen⁵). Sie drängen sich zum Totenopfer in der Gestalt der Vorfahrenseelen, denen das Opfer gebracht wird. Den Frauen nahen sie in der Gestalt ihres Bruders, Gatten, Liebhabers; oder sie stellen ihnen nach, der eine wie ein Hund, der andere wie ein Affe, wie ein ganz mit Haaren bedeckter Knabe; sie werden zu Vögeln und fliegen nachts umher¹). All dem entsprechen natürlich ihre Stimmen und ihr sonstiges Gebaren: da sind Geister, die abends die Häuser umtanzen und wie Esel schreien, die im Wald Geräusch machen, die laut Lachenden, die aus Schädeln Trinkenden²). Überall sind sie zu finden, selbst im Meer; der eine Piśāca fliegt durch die Luft, der andere schleicht bis über den Himmel, noch ein anderer versteckt sich in der Erde. Das fallende Meteor ist Verkörperung eines Rakṣas³). „Auf beiden Seiten abgelöst⁴) streicht das Rakṣas durch die Luft.“ „Im Wasser die Leuchtchen“ (d. h. Irrlichter?) sind Piśācas. Vor allem aber nisten sich die Geister in den menschlichen Wohnungen ein. „Aus dem Dorf, das ich betrete,“ sagt ein Teufelsbanner, „verschwinden die Piśācas.“ Wie sie in den Dörfern herumziehen und in die Häuser sehen, wurde schon erwähnt. Auch unten im Boden des Hauses sitzen die Unholde; man bittet den „Erdherrn“ und Indra, sie von da zu vertreiben⁵). Besonders von den Geistern heimgesucht endlich sind — in Indien wie bei den verschiedensten Völkern — die Kreuzwege, die daher Sitz mannigfachsten Zaubers sind. Gelegentlich spielen dabei Vorstellungen mit wie die, daß man an der Scheide der Wege sich von irgend einer Unglücksmacht zu befreien wünscht — sie soll den einen, der Mensch den anderen Weg einschlagen — oder daß jemand der vielen Vorübergehenden das dort niedergelegte Übel auf sich ziehen und dem Zaubernden selbst dadurch Ruhe verschaffen soll¹): das Hauptmotiv aber bei der Wahl der Kreuzwege für Zauberhandlungen ist offenbar, daß die Geister dort hausen, welche Vorstellung ihrerseits wieder, wie vermutet worden ist, auf die Beziehung der Kreuzwege zu Seelen, auf ihre Geltung als Begräbnisstätten zurückgehen mag²).