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Die Religion des Veda c7.s7: Böse Dämonen

Die Religion des Veda c7.s7

Language
German

Böse Dämonen

c7.s7.1

Die zahllosen kleinen Dämonen, die das tägliche Dasein der Menschen umgeben, sind überwiegend, aber keineswegs ausschließlich, schädlicher Natur. Freundliche Geister walten auf dem Felde, sättigen das Korn mit Nahrungsfülle, helfen bei der Ernte: wir erwähnten schon (S. 60) den „Sammler“, „Anhäufer“, „Aufhäufer“. Göttliche Weberinnen werden angerufen, wenn die Braut das Brautgewand anlegt; sie sollen sie mit langem Leben bekleiden. Das Mädchen, das vor Liebessehnsucht keine Ruhe findet, wird vom Gott „Aufscheucher“ von seinem Lager aufgescheucht. Auf dem Schlachtfeld walten Schlachtdämonen, an ihrer Spitze Arbudi, die Schrecken und Tod in die Reihen der Feinde tragen¹).

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¹ Atharvaveda III, 24; 25, 1; XIV, 1, 45; XI, 9. 10.

c7.s7.3

Es wäre zwecklos, diese Dämonen vollständig zu überblicken, deren Wesen sich in der einen ihre Spezialität bildenden Handlung erschöpft und meist in ihrem Namen ausgedrückt ist. Eingehendere Betrachtung aber verlangt die im wesentlichen gleichartige Masse der Schadenstifter, die vor allem Leben und Gesundheit bedrohen, aber auch sonst auf verschiedenste Weise erschrecken und plagen. Es sind Geister, die zu Naturphänomenen und Naturkräften im ganzen außer Beziehung stehen²); ihr Wesen liegt eben darin, Verursacher von Schaden und Verderben für die Menschen zu sein; daß sich vielfache Verbindungen zwischen ihnen und den Seelen der Verstorbenen zeigen, ist schon oben (S. 57 f.) hervorgehoben. Die bösen Wesen werden meist mit Gattungsnamen wie Rakṣas, Yātu, Piśāca usw.³)

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² Doch können Dämonen wie die Gandharven, deren Vorstellung von Naturerscheinungen auszugehen scheint, eine jenen gleichartige Wirksamkeit entfalten und sich ihnen so assimilieren; vgl. oben S. 253 f.

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³ Die auf die bösen Geister bezügliche Terminologie ist begreiflicherweise nicht ganz scharf. Unter Beiseitelassung minder wichtiger Ausdrücke sei hier das Verhältnis der drei hervortretendsten kurz erörtert: Rakṣas (Paroxytonon), Yātu resp. Yātudhāna und Piśāca; von den speziell in der moralischen Sphäre ihr Wesen treibenden bösen Dämonen, den Druhas, soll abgesehen werden. — Der erste der genannten Ausdrücke ist offenbar ziemlich allgemein. Er wird gebraucht, wo von bösen Geistern ohne nähere Spezialisierung gesprochen wird (so häufig in den Yajurveden). In den zwei hierhergehörigen großen Hymnen des Ṛgveda (VII, 104; X, 87) wechselt Rakṣas und Yātu (Yātudhāna). Einige Stellen sprechen für Identität beider Begriffe. So VII, 104, 16 „wer mich der ich kein Yātu bin, Yātudhāna nennt, oder der Rakṣas (Oxytonon, d. h. der vermittels eines *rakṣas* Schadende, s. sogleich), der sagt: ich bin rein“ — wo offenbar im zweiten Teil des Satzes Schuld und Unschuld in derselben Beziehung verstanden ist wie im ersten. Ferner X, 87, 10, wo Agni angerufen wird, die drei „Gipfel“ des Rakṣas zu vernichten, seine Rippen zu zerstören, die Wurzel des Yātudhāna in

c7.s7.6

benannt; viele aber haben auch Individualnamen, die — soweit sie verständlich sind — bald von dem Unheil hergenommen sind, das der betreffende Dämon stiftet, bald

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drei Teile zu reißen: auch hier handelt es sich offenbar um ein Wesen. Wenn VIII, 60, 20 um Abwendung des Rakṣas; des Yātu der Yātureichen gebetet wird, werden beide Begriffe zwar unterschieden, aber diesen Worten stellt sich wiederum VII, 104, 23 an die Seite, wo vom Rakṣas der Yātureichen ganz wie hier vom Yātu der Yātureichen die Rede ist. Ist die Erklärung dieser Erscheinungen die, daß Rakṣas Gattungsbegriff, Yātu Artbegriff ist? Worin die Spezialität der Yātus besteht, scheint sich dann daraus zu ergeben, daß neben *yātu* stehend und häufig die Begriffe *yātudhāna* (Fem. *yātudhānī*), *yātumant*, *yātumāvant* erscheinen (s. z. B. die eben angeführte Stelle VIII, 60, 20). Schwerlich kann *yātudhāna* etwas anderes bedeuten, als „Behältnis des Yātu“, d. h. den Zauberer, der vom Yātu bewohnt wird, sich seiner bedient und in gewisser Weise identisch mit ihm ist (vgl. meine Note zu VII, 34, 8): daher es nicht befremden kann, daß gelegentliche Verwirrung zwischen *yātu* und *yātudhāna* eintritt (Ṛv. VII, 104, 16, wo *āyātu* wohl beschreibendes Kompositum ist). So ist auch *yātumant*, *yātumāvant* offenbar der mit einem Y. in Verbindung stehende Zauberer. Also wird Yātu speziell als die Art böser Geister zu verstehen sein, die von Zauberern zum Unheilstiften benutzt werden (vgl. awestisch *yātu* = Zauberei, Zauberer). Derartige Aktion kann auch von *rákṣas* ausgesagt werden (s. oben Ṛv. VII, 104, 23); der Mensch, der sich eines *rákṣas* bedient, heißt *rakṣás*, *rakṣasvín* oder *rakṣoyúj* („das R. anschirrend“); wie es eine geläufige Beschuldigung ist, daß der und der ein *yātudhāna* sei, wird auch darüber gestritten, ob jemand rein oder ein *rakṣás* ist (Ṛv. VII, 104, 23; vgl. I, 35, 10). — In der Terminologie der bösen Wesen liegt von den Begriffen Yātu und Rakṣas der des Piśāca etwas weiter ab. Im Ṛv. findet sich das Wort nur einmal (in der Form *piśāci*, I, 133, 5, neben *rákṣas* und offenbar davon unterschieden). Später werden die Piśācas oft genannt und in der Regel von Rakṣas und Yātu unterschieden: so werden Taitt. Saṃh. II, 4, 1, 1 den drei Wesenklassen der Götter, Menschen, Manen die drei feindlichen der Asuras, Rakṣas, Piśācas gegenübergestellt. Vgl. noch Av. I, 35, 2; V, 29, 11; VI, 32, 2; Hir. G. I, 11, 8; Ludwig V, 421. Dagegen anderseits Identifikation der Piśācas mit den Yātu Av. V, 29, 9. Die vorherrschende Spezialität der Piśācas im Schadenstiften ergibt sich daraus, daß sie häufig *kravyād* heißen (s. z. B. Av. V; 29, 9; VIII, 2, 12; XII, 3, 43): dies Wort ist geradezu Synonymum von Piśāca und kann als von den Ungeheuerlichkeiten seiner Gestalt oder sonstigen unheimlichen Eigenschaften; manche von diesen Namen sind offenbar nichts als sinnlose Buchstabenhäufungen, die Gräßlichkeit des Namenträgers abbildend. Sehr oft treten sie scharenweise auf, besonders häufig auch in Paaren, die durch den Namen als zusammengehörig charakterisiert sind, wie Mroka und Anumroka, Sarpa und Anusarpa¹). Sie sind sterblich²), bald männlichen bald weiblichen Geschlechts³); die Weiber spielen unter dieser Plebs des Geisterreichs eine bedeutendere Rolle als unter den großen Göttern. Es gibt bei ihnen Familie und Sippschaft; „gemeinsamen Geschlechts gehen sie zu den Dörfern“, heißt es, „voran geht der Vater; die Mutter geht hinten . . . die Schwester, die Nachtwandlerin guckt durch die Ritze ins Haus.“ Zum Dämon Fieber gehört der Bruder Auszehrung (?), die Schwester Husten, der Vetter Ausschlag. Auch Könige sind vorhanden; die Scharen der Rakṣas, welche die Wohnungen der Menschen durchziehen, sind „vom Rakṣaskönig gesandt“⁴).

c7.s7.8

¹ Av. II, 24: diese Paare gehören zu der von Weber, Ind. Stud. XIII, 183 ff. besprochenen Dämonenklasse der Kimīdin. An solche Zusammenstellungen wird bei den im Ṛgveda (VII, 104, 23; X, 87, 24 cf. v. 13) genannten „Kimīdin-Paaren“ gedacht sein.

c7.s7.9

² Siehe Av. VI, 32, 2 und viele andere Stellen.

c7.s7.10

³ Die neutrale Bezeichnung *rákṣas* berechtigt nicht zu dem Schluß, daß diese Wesen geschlechtslos gedacht seien.

c7.s7.11

⁴ Hiraṇyakeśin G. II, 3, 7; Av. V, 22, 12.

c7.s7.12

regelmäßige Benennung der betreffenden Wesen im Ṛgveda (VII, 104, 2; X, 87, 2. 19; 162, 2) angesehen werden. Materialien über die P. sammelt Charpentier, Kl. Beitr. zur indoiran. Mythol. (1911) 1 ff.; seine Ansicht, daß Leuchtkäfer und Irrlichter die ursprünglichen Piśācas seien, kann ich nicht überzeugend finden. — Von allen diesen Wesenklassen sind die Asuras (vgl. oben S. 158 ff.) im ganzen getrennt; sie sind die Feinde der Götter in ihren mythischen Kämpfen, nicht der Menschen im gegenwärtigen Leben. Charakteristisch dafür, wie sie gewissermaßen als die in die vorhistorischen Göttererlebnisse zurückverlegten Rakṣas aufgefaßt werden, ist Taitt. Saṃh. VI, 2, 1, 5. 6. Hier und da erscheinen sie doch auch als der Gegenwart angehörige Feinde der Menschen, z. B. Av. VIII, 6, 5; Kauś. Sūtra 87, 16; 88, 1.

c7.s7.13

Die Gestalt der bösen Dämonen ist meist menschenähnlich¹) — so ist oft von ihrem Haupt und ihren Augen, ihrem Herz, Lunge, Leber und dgl. die Rede —, vielfach aber durch irgend eine ungeheuerliche Eigenschaft oder Mißbildung entstellt: es kommen dreiköpfige Dämonen vor, ein zweimündiger, vieräugiger, fünffüßiger, fingerloser, Unholde mit verkehrten Füßen — die Zehen nach hinten, die Ferse nach vorn —, Dämonen mit Hörnern an den Händen, Gelbauge, Därmmund, Bärenhals, die Kübelhoden²). Manche Dämonen haben Tiergestalt; so überfallen Hundegeister das Kind mit einer bestimmten Krankheit (Epilepsie?); es gibt den Eulenspuk, Hundespuk, Wolfspuk, Geierspuk³). Viele Dämonen scheinen pflanzengestaltig zu sein⁴). Oft aber sind es nur angenommene Gestalten, tierische oder menschliche, in denen die Geister erscheinen⁵). Sie drängen sich zum Totenopfer in der Gestalt der Vorfahrenseelen, denen das Opfer gebracht wird. Den Frauen nahen sie in der Gestalt ihres Bruders, Gatten, Liebhabers; oder sie stellen ihnen nach, der eine wie ein Hund, der andere wie ein Affe, wie ein ganz mit Haaren bedeckter Knabe; sie werden zu Vögeln und fliegen nachts umher¹). All dem entsprechen natürlich ihre Stimmen und ihr sonstiges Gebaren: da sind Geister, die abends die Häuser umtanzen und wie Esel schreien, die im Wald Geräusch machen, die laut Lachenden, die aus Schädeln Trinkenden²). Überall sind sie zu finden, selbst im Meer; der eine Piśāca fliegt durch die Luft, der andere schleicht bis über den Himmel, noch ein anderer versteckt sich in der Erde. Das fallende Meteor ist Verkörperung eines Rakṣas³). „Auf beiden Seiten abgelöst⁴) streicht das Rakṣas durch die Luft.“ „Im Wasser die Leuchtchen“ (d. h. Irrlichter?) sind Piśācas. Vor allem aber nisten sich die Geister in den menschlichen Wohnungen ein. „Aus dem Dorf, das ich betrete,“ sagt ein Teufelsbanner, „verschwinden die Piśācas.“ Wie sie in den Dörfern herumziehen und in die Häuser sehen, wurde schon erwähnt. Auch unten im Boden des Hauses sitzen die Unholde; man bittet den „Erdherrn“ und Indra, sie von da zu vertreiben⁵). Besonders von den Geistern heimgesucht endlich sind — in Indien wie bei den verschiedensten Völkern — die Kreuzwege, die daher Sitz mannigfachsten Zaubers sind. Gelegentlich spielen dabei Vorstellungen mit wie die, daß man an der Scheide der Wege sich von irgend einer Unglücksmacht zu befreien wünscht — sie soll den einen, der Mensch den anderen Weg einschlagen — oder daß jemand der vielen Vorübergehenden das dort niedergelegte Übel auf sich ziehen und dem Zaubernden selbst dadurch Ruhe verschaffen soll¹): das Hauptmotiv aber bei der Wahl der Kreuzwege für Zauberhandlungen ist offenbar, daß die Geister dort hausen, welche Vorstellung ihrerseits wieder, wie vermutet worden ist, auf die Beziehung der Kreuzwege zu Seelen, auf ihre Geltung als Begräbnisstätten zurückgehen mag²).

c7.s7.14

¹ Wenn Bergaigne (II, 217) meint, daß direkt Menschen (das ist doch wohl mit *mortels* gemeint) Rakṣasnatur beigelegt werde, liegt das meines Erachtens in den von ihm angeführten Stellen nicht. Über das Verhältnis von Menschen zu den ihnen verbündeten Dämonen s. S. 266. Daß übrigens eine gewisse Vermischung zwischen Mensch und Dämon doch eintreten konnte, soll nicht geleugnet werden (S. 266).

c7.s7.15

² Besonders Ath. Veda VIII, 6 und Hiraṇy. G. II, 3, 7 (vgl. Pāraskara I, 16, 23) findet sich viel derartiges.

c7.s7.16

³ Hiraṇy. G. II, 7, vgl. Pāraskara I, 16, 24; Ṛv. VII, 104, 22.

c7.s7.17

⁴ Daher Agni und Indra angerufen werden, die bösen Geister „mit der Wurzel“ (*sahamūra*, *sahamūla*) zu vernichten (Ṛv. III, 30, 17; X, 87, 19), wie auch von ihrer Spitze (*agra*) oder ihren drei Spitzen und der dreifachen Wurzel die Rede ist (Ṛv. III, 30, 17; X, 87, 10). Daß die Wurzel hier nicht bildlich zu verstehen ist, wird dadurch wahrscheinlich, daß in denselben Umgebungen als feindliche Wesen auch „die, deren Gott die Wurzel ist“ (*mūradeva*, Ṛv. VII, 104, 24; X, 87, 2. 14) erscheinen, sowie die Frau, „welche die schadenbringende Wurzel hat“ (Av. I, 28, 3): die Wurzel, in welcher der böse Geist verkörpert ist.

c7.s7.18

⁵ Natürlich ist es oft zweifelhaft, ob die Gestalt eines Dämon in diesem oder dem vorigen Sinn zu verstehen ist.

c7.s7.19

¹ Vgl. Av. XVIII, 2, 28; Ṛv. X, 162, 5; Av. IV, 37, 11; Ṛv. VII 104, 18 (genau genommen handelt es sich an dieser Stelle um die Verwandlung nicht der Dämonen, sondern der mit ihnen verbündeten, Zauberer — s. S. 266 — in Nachtvögel).

c7.s7.20

² Av. VIII, 6, 10. 11. 14, Hir. G. II, 3, 7.

c7.s7.21

³ Daher dessen Expiation mit „rakṣastötenden Hymnen“ (Kauś. Sūtra 126, 9).

c7.s7.22

⁴ D. h. nicht festgewurzelt wie eine Pflanze.

c7.s7.23

⁵ Av. IV, 20, 9; Śat. Br. III, 1, 3, 13; Av. IV, 37, 10 (vgl. Roth, Festgruß an Böhtlingk 97; im Text *jyotayamānakān* zu lesen); IV, 36, 7; Hir. G. II, 3, 7; Av. II, 14, 4.

c7.s7.24

¹ Av. VI, 26, 2. Grierson, *Bihār Peasant Life* 407.

c7.s7.25

² Ich gebe nur eine kleine Auswahl der reichen Materialien über die Kreuzwege. Dort stattfindende Zauberhandlungen für Bannung von bösen Geistern und Krankheiten Kauś. Sūtra 26, 30; 27, 7. Darbringung an Sahasrakṣa das. 30, 18. Zauber für Wiederfindung des Verlorenen das. 52, 14 (hier mag es sich um den Kreuzweg als den Punkt handeln, von dem aus alle Richtungen überblickt werden). Am Kreuzweg Wohnung Rudras Śatapatha Br. II, 6, 2, 7; Hiraṇy. G. I, 16, 8. Nach einem Todesfall wird das unrein gewordene Feuer auf einem Kreuzweg niedergelegt Aśvalāyana G. IV, 6, 3. Nach dem Tod des Gläubigers wird das Geschuldete auf dem Kreuzweg hingeworfen (für seine Seele? oder als Entfernung einer unheimlichen Substanz?) Kauś. Sūtra 46, 39. Weiteres bei Winternitz, Altindisches Hochzeitsrituell 68. Aus der buddhistischen Literatur hebe ich zwei Stellen hervor; welche die Kreuzwege als Begräbnisplätze zeigen. Mahāparinibbāna Sutta (Dīgha Nikāya vol. II, S. 142): „Wie verfährt man mit dem Leibe eines erdbeherrschenden Königs? .. Bei der Kreuzung großer Hauptstraßen errichtet man einem erdbeherrschenden König ein Leichenmonument (*thūpa*).“ Dhammapada-Kommentar S. 309 Fausb.: „Er legte die Gebeine hin und errichtete bei der Kreuzung großer Hauptstraßen ein Leichenmonument (*thūpa*).“ Vgl. Samter, Geburt, Hochzeit und Tod 146, sowie den Art. *Cross-Roads* in der *Encycl. of Rel. and Ethics*.

c7.s7.26

Die bösen Geister tun ihr schädliches Werk bald aus eigenem Antrieb, bald auf Anstiften von Menschen, denen sie verbündet oder dienstbar sind. Schon im Ṛgveda ist vom „Anschirrer des Rakṣas“, dem „Rakṣas der Yātureichen“, dem „Yātu der Yātureichen“ die Rede; der für den Zauberer gebrauchte Ausdruck Yātudhāna „Behälter des Yātu“ führt darauf, daß der böse Geist seinem menschlichen Bundesgenossen innewohnend gedacht wird¹). Die Vorschrift ist bezeichnend, der unter feindlichem Zauber Leidende solle dem Agni Yaviṣṭha²) opfern, „der vertreibt die Rakṣas von ihm“: man sieht, wie es als der gewöhnliche Sachverhalt bei solchem Zauber gilt, daß der Zauberer Rakṣasgeister gegen seinen Feind entsandt hat. So wehrt man den Zauber ab, indem man zu den Dämonen sagt: „Wem ihr gehört, den freßt; wer euch geschickt hat, den freßt; euer eigenes Fleisch freßt“³).

c7.s7.27

¹ Vgl. oben S. 265 Anm. 3.

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² Eigentlich dem „jüngsten Agni“; hier offenbar wegen des Anklangs an *yāvayati* „er vertreibt“. Taitt. Saṃhitā II, 2, 3, 2.

c7.s7.29

³ Av. II, 24.

c7.s7.30

Die Zeit der bösen Geister ist wie die der Seelen besonders Abend und Nacht. Agni dem Rakṣastöter bereitet nachts einen Opferkuchen, wer von Rakṣas verfolgt wird, „denn bei Nacht gehen die Rakṣas um“; „die Nacht gehört den Rakṣas, so wird gelehrt.“ An die Nacht richtet man den Spruch: „Du an bunten Schätzen reiche, laß mich wohlbehalten durch dich hindurchkommen:“ dann „finden einen die Unholde und Rakṣas der Nacht nicht“. Nachts verdarben (?) die Raksas den Göttern das Blut. Nachts suchen die Rakṣas den zu töten, der die Opferweihe (*dīkṣā*) vollzogen hat, aber Agni der Rakṣastöter wacht über ihm. Im Osten haben die Rakṣas keine Macht, denn die aufgehende Sonne schlägt die Rakṣas im Osten zurück“⁴). Besonders aber gehört der Neumond den bösen Geistern, die auch hierin mit den Seelen der Verstorbenen übereinstimmen. Ein Zauberlied des Atharvaveda richtet sich gegen „die Fresser (?), die in der Neumondsnacht sich in Haufen aufgemacht haben“, ein anderes gegen die Fleischfresser, „die um Neumond auf die Jagd gehen“¹).

c7.s7.31

⁴ Taitt. Saṃh. II, 2, 2, 2; Manu III, 280; Śatapatha Br. II, 3. 4, 23; Taitt. Saṃh. II, 4, 1, 1 (dazu Geldner, Ved. Studien II, 167 A. 1; K. F. Johansson, IF. III, 237); VI, 1, 4, 5; II, 6, 6, 3. — Daß die Rakṣasas nachts besondere Stärke haben, sagt das Mahābhārata VII, 7832.

c7.s7.32

¹ Av. I, 16, 1; IV, 36, 3. Was an der zweiten Stelle *āgare* und *pratikrośe* ist, weiß ich nicht.

c7.s7.33

Der Schaden, den diese im Dunkeln ihr Wesen treibenden Geister dem Menschen zufügen, ist natürlich den Vorstellungen fortgeschritteneren Glaubens in bezug auf dämonisches, diabolisches Wirken wenig angemessen. Es handelt sich um sehr konkrete Beschädigung namentlich von Leben und Gesundheit; der gierige Geist stillt Hunger und Durst mit Fleisch und Blut des Menschen. Der gewöhnliche Weg, wie er zu seinem Ziel gelangt, ist, daß er in den Menschen hineinfährt. So heißt es von einem Krankheitsdämon: „Geflügelt fliegt der Jāyānya; er geht in den Menschen ein“²). Und man betet zu Agni: „Laß nicht das Rakṣas in uns eingehen, nicht den Yātu der Yātuentsender“³). Namentlich der Mund scheint für die Eingangs-, eventuell auch die Ausgangspforte der Geister gegolten zu haben. Beim Genuß von Speise und Trank⁴) dringen sie ein. Bei einer Zauberhandlung zur Austreibung eines Piśāca wischt man sich die Zunge mit einer Hanfschnur ab; so soll der Piśāca sich entfernen⁵). Die Dämonen, welche die Geburten gefährden, schlüpfen zu den Schamteilen des Weibes hinein⁶). Sind die bösen Wesen dann drinnen, so fressen sie des Menschen Fleisch, saugen das Mark aus, trinken sein Blut, erregen Krankheit aller Art. Man betet zu Agni, was die Piśācas dem Kranken abgerissen, zerrissen, fortgeschleppt, was sie von ihm gefressen haben, ihm wieder zu schaffen; „Fleisch und Lebenshauch erwecken wir im Leibe"¹). Im Geist erregen die Rakṣas Wahnsinn; der Rede nehmen sie die Kraft, so daß man im Redekampf unterliegt²). Besonders gefährlich sind sie natürlich bei den wichtigsten Gelegenheiten des häuslichen Lebens, bei Hochzeit, Schwangerschaft, Kindbett, Bestattung. Dem Kenner des Hochzeitsrituals sind die zahlreichen Riten für Verjagung böser Geister geläufig; ich hebe hier das Abschießen von Stäbchen in die Luft hervor mit dem Spruch: „Ich durchbohre das Auge der Rākṣasas, die um diese Braut herumstreichen, welche zum Feuer tritt"³). Wenn dann nach der Hochzeit dem jungen Paar für eine gewisse Zeit — drei Nächte oder länger — Enthaltsamkeit aufgelegt wird⁴), so wird vielleicht der ursprüngliche, freilich den vedischen Indern offenbar nicht mehr verständliche Sinn auch dieser uralten, weitverbreiteten Sitte in der Furcht vor Geistern zu suchen sein, die beim Beilager in das Weib miteinschlüpfen, der Frucht Gefahr bringen, auch ihrerseits das Weib befruchten — denn danach sind die Geister selbstverständlich lüstern⁵) —; man führt sie irre, indem man ihnen Unterlassung der Ehevollziehung vorspiegelt⁶). Ich übergehe hier die der Schwangerschaft und Entbindung zugehörigen Gebräuche, die gleichfalls der Furcht entstammen, daß Geister die Frucht verzehren, die männliche Frucht in eine weibliche verwandeln oder sonstigen Schaden stiften könnten¹).

c7.s7.34

² Av. VII, 76, 4.

c7.s7.35

³ Ṛv. VIII, 60, 20.

c7.s7.36

⁴ Av. V, 29, 6—8. — Haben wir hier nicht einen der Ursprünge des Fastens bei heiligen, d. h. durch Geisternähe gekennzeichneten Anlässen? Die Gefahr soll vermieden werden, daß die Geister in den Essenden einschlüpfen.

c7.s7.37

⁵ Kauśika Sutra 25, 28.

c7.s7.38

⁶ Av. VIII, 6, 3.

c7.s7.39

¹ Av. V, 29, 5.

c7.s7.40

² Av. VI, 111, 3; Hir. G. I, 15, 5.

c7.s7.41

³ Mānava Gṛhya I, 10 (Winternitz, Altindisches Hochzeitsrituell 60).

c7.s7.42

⁴ Weber und Haas, Ind. Stud. V, 325 f.; Winternitz a. a. O. 87; vgl. Ploß, Das Weib I⁷, 503; v. Schroeder, Hochzeitsbräuche der Esten 192 f.; Fehrle, Kultische Keuschheit 40; J. J. Meyer, Das Weib im altindischen Epos 235 f.

c7.s7.43

⁵ Vgl. Av. IV, 37, 11; Śatapatha Brāhm. III, 2, 1, 40 usw.

c7.s7.44

⁶ Oder wird vielmehr — doch eins schließt das andere nicht aus — das Weib als in diesen Tagen von Geistern umschwärmt angesehen, vor denen der Mann sich zu hüten oder deren Vorrecht er zu respektieren hat? Ist aus dem Tabu dieser drei Nächte die indische Vorstellung entwickelt, daß die Frau vor dem menschlichen Gatten drei überirdischen Gatten (Soma, dem Gandharva, Agni; Ṛv. X, 85, 40. 41) gehört habe? — Weiter drängt sich natürlich die Frage auf, ob hier auch das Motiv im Spiel gewesen ist, die Kraft zu schonen und anzusammeln, über die man dann um so sicherer wird verfügen können.

c7.s7.45

¹ Vgl. außer den Gṛhyatexten namentlich Av. VIII, 6.

c7.s7.46

Beim Bestattungsritual werden uns die auch den Toten und seine Hinterbliebenen umlauernden bösen Geister begegnen. Ein anderes den Angriffen der Geister besonders ausgesetztes Gebiet ist das Opfer. Schon der Ṛgveda spricht von den „die Opferspeise an sich raffenden Yātus“, von den Zauberern (*rakṣásas*), „die Trug bereitet haben beim göttlichen Opfer“, und der Atharvaveda enthält den Spruch eines solchen Zauberers, der seines Feindes Opfer durch dämonischen Trug zu vereiteln sucht: „die Yātudhānas, Nirṛti und das Rakṣas, die mögen seine Wahrheit durch Trug vernichten“²). Dementsprechend begleiten denn auch das Opfer von Anfang bis Ende Sprüche und Handlungen, die sich auf Abwehr der Dämonen beziehen. — Wie dem Menschen selbst, schaden die Geister und ihre Anstifter natürlich auch dem Vieh; sie trinken den Kühen die Milch weg und zehren vom Fleisch der Pferde³); auch das Haus wird von geisterhaften Feinden angegriffen; spaltet sich ein Hauptbalken, so hat sich ein Bote des Todes auf ihn niedergelassen⁴). Jeder Augenblick des Lebens, jede Handlung, jeder Besitz ist so von Scharen unsichtbarer Feinde, den Bundesgenossen menschlicher Unheilstifter, bedroht.

c7.s7.47

² Ṛv. VII, 104, 21. 18; Av. VII, 70, 2. Es ist bekannt, wie auch den Späteren die das Opfer störenden Rakṣas geläufig sind; vgl. z. B. Rāmāyaṇa I Kap. 30 (ed. Bombay), Śakuntalā Str. 93 Pischel.

c7.s7.48

³ Ṛv. X, 87, 16 f.

c7.s7.49

⁴ Kauś. Sutra 135, 9.

c7.s7.50

Schließlich sei bemerkt, daß sich die bösen Dämonen in unmerklichen Übergängen, beständigem Hin- und Herschwanken mit einem Reich anderer feindlicher Mächte vermischen: mit den mehr unpersönlich gedachten, aber doch fortwährend ins Persönliche hinüberspielenden schädlichen Potenzen oder Substanzen — Krankheit, Kinderlosigkeit, Schuld usw. —, die in der Luft herumfliegen, dem Menschen anfliegen, deren Ansteckung er sich durch Berührung zuzieht, die von sich abzuleiten, dem Feinde zuzuleiten eine Hauptaufgabe der Zauberkunst ist. Die unten zu gebende Darstellung des Zauberkultus, wie sie die Besprechung der bösen Geister durch Beschreibung der gegen sie gerichteten Abwehr ergänzen wird, muß sich auch mit dem Kampf gegen derartige Substanzen oder Fluida beschäftigen und damit die Wirkungsweise dieser selbst aufzuhellen versuchen.

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