Die Religion des Veda c7.s8.16
Die Religion des Veda c7.s8.16
- Language
- German
c7.s8.16
Yama ist im Veda vor allem Beherrscher der Toten; als solcher wird er uns weiter unten beschäftigen¹). Diese Würde nun gehört ihm deshalb, weil er „als der Erste der Sterblichen gestorben, als Erster in jene Welt hingegangen ist“ (Av. XVIII, 3, 13 vgl. Ṛv. X, 14, 2). Damit müssen weiter die Schlußfolgerungen kombiniert werden, auf die ein dialogisches Lied des Ṛgveda (X, 10) führt. Dort sucht ein weibliches Gegenbild des Yama, Yamī — die beiden Namen bedeuten den männlichen bzw. den weiblichen Zwilling — ihn zur Liebe zu locken: „Das verlangen jene Unsterblichen: einen Sprößling des einzigen Sterblichen.“ Aber er weist die Versuchung zu Verbotenem zurück. Längst ist erkannt, daß dies Lied, das Yama als die Schuld des Inzests vermeidend darstellt, eben dadurch alten Glauben an Inzest erweist. So ließ der Mythus — wir haben Grund, ihm indoiranisches Alter zuzuschreiben¹) — offenbar von diesem urweltlichen Zwillingspaar die sterblichen Menschen erzeugt werden. Ein leicht verständlicher Zug: wenn nach dem ersten Elternpaar gefragt wurde, fand man es nicht befriedigend, hier bei einem ältesten Mann, dort bei einem zufällig zu ihm sich findenden ältesten Weib anzulangen; der letzte Anfang mußte ein Anfang sein, die beiden als Zwillinge zueinander gehören. Wie dann mit diesem Wesen Yamas als Vater des sterblichen Geschlechts seine Rolle als erster Verstorbener und Beherrscher der Toten²) eng und natürlich zusammenhängt, liegt auf der Hand³).
Linked texts (2)
- Ṛgvedasaṃhitā — Sanskrit
- Atharvavedasaṃhitā — Atharvan & Aṅgiras, Sanskrit