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Die Religion des Veda c7.s8.3

Die Religion des Veda c7.s8.3

Language
German

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Ein Gott, dessen Majestät beanspruchen könnte, daß ihm und keinem anderen die Würde eines Weltschöpfers beigelegt werde, ist für die vedischen Sänger nicht da. Kein Gott, der imstande wäre, der Träger einer ungeheuren Antithese Gott — Welt zu sein. Sondern alle die vielen Götter, innerhalb der Welt stärkste Macht übend, gehören selbst der Welt an. Man preist ihr weltordnendes Wirken; auch, daß sie diese und jene für das Leben bedeutsamste Wesenheit gewonnen oder hervorgebracht haben. Aber unbeschadet solcher göttlicher Großtaten wird doch offenbar die Existenz eines von den Göttern nicht geschaffenen, nur von ihnen Licht und Gesetz empfangenden Daseins als selbstverständlich vorausgesetzt. Die Weise, in der sie dies Dasein ordnen und bereichern, pflegt entsprechend dem Stil, in dem ihre eigenen Gestalten gebildet sind, kaum mehr in den bizarren Formen geschildert zu werden, die so vielen Schöpfungs- und Weltordnungsmythen primitiver Völker innewohnen. Die Bilder, an die sich die Phantasie der Vedadichter hier hält, erscheinen als vergleichsweise gereinigt, verständig. Voran stehen die von der Tätigkeit des Zimmermanns, gelegentlich auch des Schmieds¹). Beide Welten, die sechs Himmelsrichtungen werden ausgemessen. Die Erde wird mit Pflöcken festgehalten, der Himmel gezimmert, mit Pfosten gestützt. Weiter spielt dann der Ausdruck Erzeugen oder Gebären²) eine Rolle; oft wird gesagt, daß auf diese Weise Sonne, Erde, Wasser, Licht, Tage ins Dasein gerufen sind.

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Zweifellos ist das überall oder fast überall bildlich gemeint und ist eben nur an ein Hervorbringen im allgemeinen gedacht, ohne daß über dessen genaue, sozusagen technische Natur durch jenen Ausdruck etwas ausgesagt würde. Als Subjekte aber alles dieses Arbeitens oder Hervorbringens erscheinen bald die Götter im allgemeinen, bald, der Weise des vedischen „Henotheismus“ entsprechend, der Reihe nach so ziemlich alle einzelnen Götter, wie eben die Sänger sie gerade zu preisen haben, dazu auch die hingegangenen „Väter“ (siehe unten S. 285). In erster Linie stehen Indra und Varuṇa, der eine mehr mit seiner ungeheuren Kraft die Dinge bemeisternd, der andere sie ordnend durch Weisheit und verborgenes, wunderbares Können. Unvermeidlich entstehende Kollisionen der verschiedenen Vorstellungsreihen werden gelegentlich gefühlt und dann natürlich als Sitz besonderer Mysterien bestaunt. Himmel und Erde sind Vater und Mutter der Wesen, und doch hat Indra Himmel und Erde hervorgebracht; so wird zu ihm gesagt: „Du hast Vater und Mutter zusammen aus deinem Leibe gezeugt“ (X, 54, 3). Im ganzen kann man den hier besprochenen Vorstellungen eine gewisse Dürftigkeit wohl nicht absprechen; Macht der Phantasie, Tiefe des Denkens kommt kaum in ihnen zur Erscheinung.

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Offenbar bestanden dann neben alldem auch Mythen aus vorgeschichtlicher Zeit, in vorgeschichtlichem Stil, nicht hineinpassend in die Indra oder Varuṇa feiernde Poesie, aber gelegentlich in der späteren Literatur erhalten und durch ihren Charakter ihr Alter verratend. Wenn ein Brāhmaṇatext erzählt, wie im Anfang der Dinge die Erde nur spannengroß war und der Eber Emūṣa sie in die Höhe wühlte, entspricht das so genau der Weise primitiver Kosmogonien, daß entsprechende Herkunft zu vermuten berechtigt scheint¹. Ähnlich ist wohl zu urteilen² über den in einer jungen Partie des Ṛgveda selbst (X, 90) enthaltenen Mythus von der Entstehung der Wesen aus dem tausendköpfigen, tausendäugigen, tausendfüßigen Puruṣa („Mann“). Ein riesenhaftes Urwesen. Die Götter bringen ihn als Opfer dar. Aus diesem Opfer werden die Veden geboren, Rosse und Rinder, Ziegen und Schafe. Aus des Puruṣa Haupt entsteht der Brahmane; aus seinen Armen, Schenkeln, Füßen die anderen Kasten. Mond und Sonne, Himmel und Erde werden aus ihm geboren. Das Motiv der Opferung mag junge Zutat eines priesterlichen Erzählers sein. Der Glaube aber, daß die Welt aus dem zerstückelten Leibe eines Riesenwesens, wie des eddischen Ymir, geformt ist, findet sich in primitiven Kosmogonien häufig und wird von solchen Regionen den Weg bis in den Ṛgveda gefunden haben.