Die Religion des Veda c7.s8.3.3
Die Religion des Veda c7.s8.3.3
- Language
- German
c7.s8.3.3
Offenbar bestanden dann neben alldem auch Mythen aus vorgeschichtlicher Zeit, in vorgeschichtlichem Stil, nicht hineinpassend in die Indra oder Varuṇa feiernde Poesie, aber gelegentlich in der späteren Literatur erhalten und durch ihren Charakter ihr Alter verratend. Wenn ein Brāhmaṇatext erzählt, wie im Anfang der Dinge die Erde nur spannengroß war und der Eber Emūṣa sie in die Höhe wühlte, entspricht das so genau der Weise primitiver Kosmogonien, daß entsprechende Herkunft zu vermuten berechtigt scheint¹. Ähnlich ist wohl zu urteilen² über den in einer jungen Partie des Ṛgveda selbst (X, 90) enthaltenen Mythus von der Entstehung der Wesen aus dem tausendköpfigen, tausendäugigen, tausendfüßigen Puruṣa („Mann“). Ein riesenhaftes Urwesen. Die Götter bringen ihn als Opfer dar. Aus diesem Opfer werden die Veden geboren, Rosse und Rinder, Ziegen und Schafe. Aus des Puruṣa Haupt entsteht der Brahmane; aus seinen Armen, Schenkeln, Füßen die anderen Kasten. Mond und Sonne, Himmel und Erde werden aus ihm geboren. Das Motiv der Opferung mag junge Zutat eines priesterlichen Erzählers sein. Der Glaube aber, daß die Welt aus dem zerstückelten Leibe eines Riesenwesens, wie des eddischen Ymir, geformt ist, findet sich in primitiven Kosmogonien häufig und wird von solchen Regionen den Weg bis in den Ṛgveda gefunden haben.