Die Religion des Veda c7.s8.8
Die Religion des Veda c7.s8.8
- Language
- German
c7.s8.8
Das Lied vom Puruṣa führt uns von den meist rasch hingeworfenen Äußerungen über Götter als Weltordner zu umfassenderen Bildern von der Entstehung des Weltganzen. Da treten, in den jüngeren Teilen des Ṛgveda, Figuren und Probleme hervor, die den alten Preisliedern im ganzen fern liegen. Was ist es, das dem Dasein der Götter in fernster Ferne vorangeht? Was steht ihnen als das von ihnen zu Ordnende, zu Durchleuchtende gegenüber? Man beschäftigt sich mit der Frage: „Was war der Wald (d. h. das Holz), was der Baum, aus dem sie Himmel und Erde gezimmert haben?“ Und der von den jetzt sich erhebenden monotheistischen Antrieben bewegte Gedanke neigt dazu, den Bearbeiter dieses Stoffes, den großen Werkmeister des Universums, in einem neuen, unvergleichlichen Gott zu erkennen — etwa dem Gott „Allschöpfer“ (Viśvakarman; X, 81. 82), oder einem Unbekannten, „der über den Göttern als der eine Gott da war“, und nach dem man nur zu fragen weiß: „Wer ist der Gott, daß wir ihm opfern mögen?“ (X, 121¹)). Neben dem göttlichen Wirken aber tritt auch die Vorstellung selbständiger Entwicklung der Weltsubstanz hervor. Statt zum Dualismus — Geformtes und formender Gott — neigt man da mehr zum Monismus. Aber man scheint kaum mit Bewußtsein zwischen dieser und jener Anschauung zu wählen, sondern man folgt der Bahn, auf welche die Phantasie eben gerät. Unpersönliche Wesenheiten, Abstraktionen mit zauberhaftem Anhauch, bald primitiver Spekulation, bald dem Grenzgebiet von Mythus und Spekulation angehörig, läßt man auseinander geboren werden. Dazwischen treten phantastische Personen auf. Aus dem Nichtsein wurde das Sein geboren. Nach ihm wurden die Weltgegenden geboren; es (das Sein?) wurde geboren aus dem Wesen mit den aufwärts gekehrten Sohlen (X, 72 ¹)) — dies scheint Beschreibung einer Asketenstellung; ein urweltlicher Yogin läßt die Dinge aus sich hervorgehen. Dann weiter wird aus Aditi (S. 202 f.) Dakṣa („Geisteskraft“) geboren, und aus Dakṣa Aditi: die in sich zurücklaufende Bewegung zeigt wohl an, daß dies ein Anfang ist; nach Aditi „wurden die Götter geboren, die herrlichen, der Unsterblichkeit verschwisterten“. An einer anderen Stelle: „Aus dem glühenden Tapas (Kasteiung) ward Ordnung und Wahrheit geboren; daraus ward die Nacht geboren; aus ihr das wogende Meer. Aus dem wogenden Meer ist das Jahr geboren, das Tage und Nächte ordnet, der Gebieter über alles, was Augen hat. Sonne und Mond bildete Dhātar (der ‚Macher‘, oben S. 61) nacheinander, Himmel, Erde und den Luftraum, und dann die Sonne ²)“ (X, 190). Also eine Entwicklung, in der aus „Ordnung und Wahrheit“ erst Dunkles, Fließendes hervorgeht, dann aus diesem das Hellere, Bestimmtere. Ein Gott erscheint — woher, erfahren wir nicht —, und seine bildende Arbeit führt den Fortschritt weiter.
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- Ṛgvedasaṃhitā — Sanskrit