Die Religion des Veda c7.s9.18
Die Religion des Veda c7.s9.18
- Language
- German
c7.s9.18
Ein anderes Verhältnis aber zum Sittlichen als jenes, welches der Gott als Gott hat, kann das sein, welches ihm kraft seines individuellen Charakters zukommt. Wir haben schon oben (S. 194 f.) dargelegt, daß von indoiranischer Zeit her die Ādityas und besonders der größte unter ihnen, Varuṇa, vor den anderen Göttern als Begründer und Beschützer des Ṛta, des physischen und moralischen Weltgesetzes gedacht wurden. Als Götter der großen Himmelslichter — ihrem ursprünglichen Wesen nach — verkörpern sie die am Firmament sichtbarst manifestierte Ordnung alles Geschehens: als allschauend sind sie Kenner auch geheimster menschlicher Sünden. „Sie durchschauen was krumm und gerade ist; alles, auch das Höchste, ist den Königen nahe.“ „Wer steht und geht, wer umherschwankt, wer heimlich schleicht und wer hervorstürzt, was zwei zusammensitzend beraten, das weiß König Varuṇa als dritter“¹). Verkörpert ist die allesschauende Macht dieser Götter in ihren „Spähern“, die nie das Auge schließen²). Sollte nicht, sei hier beiläufig gefragt, in dieser zu ihrer ursprünglichen Naturbedeutung hinzugetretenen Rolle der Ādityas als Erschauer aller Sünden die Erklärung dafür liegen, daß entgegen der natürlichen Voranstellung des Mitra (Sonne) vor Varuṇa (Mond) — welche Reihenfolge vielleicht auch durch die Sprache (S. 189 Anm. 5) als anfänglich vorhanden bestätigt wird — doch im Veda wie Awesta das Hauptgewicht auf Varuṇa (Ahura) fällt? Von den beiden großen Ādityas ist Varuṇa der Nachtbeherrscher: den Schutz der Nacht suchen die Sünden auf, und so ist er es, dem vor seinem den Tag regierenden Genossen der Kampf gegen die Sünde, der Schutz des Ṛta zufallen muß¹).