Pramāṇa · Search · About · API

Die Religion des Veda c7.s9.24

Die Religion des Veda c7.s9.24

Language
German

c7.s9.24

Zunächst hat die Sünde ihr eigenes, unabhängiges Dasein. Wie Krankheiten und ähnliche schadenbringende Potenzen als bald festere, bald luftig flüchtige Stoffe gedacht werden, die man mit Wasser abwaschen, durch Feuer verbrennen, durch zauberkräftige Amulette wegbannen, auf mancherlei andere Art entfernen kann, so wird auch die Sünde (*enas*, daneben *āgas*) vorgestellt: begreiflich, daß man diese dem Täter schadenbringende Macht nach dem Vorbild anderer schadenbringender Mächte und in der jenen übrigen zukommenden Konkretheit auffaßt¹). Besonders häufig ist die Vorstellung der Fessel oder Schlinge, in die sich der Sünder verwickelt. Auch diese Auffassung kommt der Sünde gemeinsam mit anderen verderblichen Mächten zu: so wird von den Fesseln des Todes, der Krankheit gesprochen oder die Krankheit ihrerseits Fessel des Verderbens (Nirṛti) genannt. Hier liegt natürlich die Vorstellung des sündenstrafenden Gottes nahe als dessen, der die Fessel anlegt, die Schlinge ausspannt u. dgl., aber dies Moment ist keineswegs unentbehrlich; es genügt, daß sich die Betrachtung auf die Sünde selbst als auf die Fessel richtet, die mit ihrer verderbenbringenden Macht dem Schuldigen anhaftet. So betet man zu Soma und Rudra um Befreiung von der „an unserem Leibe festgebundenen Sünde, die wir begangen haben“, und man betet zu Varuṇa: „Löse von uns die Sünde, die wir begangen haben“²). Diese Sündenfessel scheint gedacht als in Form einer Schlinge ausgespannt, in der sich der Übeltäter fängt: so betet man über die geöffnet daliegenden Fesseln „hinwegzugelangen wie mit einem Wagen und Rossen“³).