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Die Religion des Veda c7.s9.59

Die Religion des Veda c7.s9.59

Language
German

c7.s9.59

Nur darf man freilich diesen Bund zwischen Varuṇa und dem Recht nicht nach modern-christlichen Maßstäben bemessen. Den Feind betrügen galt dem vedischen Inder für schön und gut²); es hätte ihm bedenklich geschienen, auf Überwindung des Listigen zu hoffen außer durch überlegene List. Damit ergibt sich von selbst, in welchem Sinn die oben angeführten Äußerungen über Varuṇas und der Ādityas Trugkünste zu verstehen sind. Die Dichter sagen es ja selbst: die Truggeister Mitras und Varuṇas verfolgen die Sünden der Menschen; für den Betrüger sind ihre Schlingen geöffnet. Gegen die Guten und Frommen aber ist Varuṇa wahr und treu; wo er zürnt oder durch seine Trugkünste schadet, weiß der von ihm Verfolgte — anders als beim Zorn Rudras —, daß es Sündenschuld ist, um derentwillen Varuṇa ihn straft³). Und indem er selbst dem Gott nicht übermütigen Trotz entgegenstellt, sondern seine Schuld zu erkennen und Varuṇa zu versöhnen sucht, vertraut er darauf, daß sich jener ihm nicht als tückischer, schadenfroher Feind, sondern als gütiger Erbarmer zeigen wird. Wenn wir oben von der Errettung des Sünders durch die zauberhafte Beseitigung der unpersönlichen Sündsubstanz zu sprechen hatten, sehen wir hier dieselbe Wirkung aus Varuṇas Gnade fließen, die menschlicher Güte ähnlich durch Bitten, Demut und auch durch Gaben erregbar, bereit ist, an Stelle des Zorns zu treten, die Fesseln des Sünders zu lösen. Man opfert dem Gott; man bekennt sich ihm als schuldig; man stellt ihm vor, daß man unwissentlich, in Unbedacht und Leidenschaft gesündigt hat; man beruft sich auf die alte Freundschaft mit ihm; man preist sein Erbarmen. „Zum Erbarmen wollen wir dir die Seele lösen mit unseren Gebeten, wie der Wagenfahrer das angespannte Roß löst“ (I, 25, 3).

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