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Die Religion des Veda c8.s1.8

Die Religion des Veda c8.s1.8

Language
German

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Das Opfer soll dem Menschen die Gnade des Gottes, sei es im allgemeinen, sei es in bestimmten Erweisungen gewinnen: man kann es also als Bittopfer bezeichnen. In gewisser Weise ein spezieller Fall des Bittopfers ist das Sühnopfer. Hier ist es das Vergeben, das Nichträchen einer Schuld, das Nichtantun eines angedrohten Schadens, auf das sich die Bitte richtet: vielleicht wird dem Gott ein Abbild, ein Teil statt des von ihm beanspruchten Urbildes oder Ganzen geopfert und gehofft, daß er damit zufrieden sei¹). Wir kommen auf das Sühnopfer in einem eigenen Abschnitt zurück. Eigentliche Dankopfer sind dem vedischen Kult völlig oder doch nahezu fremd, wie der vedischen Sprache das Wort „danken“ fremd ist. Riten, die für Dankopfer gehalten werden könnten, scheinen sich bei genauerer Betrachtung doch durchgehend oder fast durchgehend als Bittopfer zu erweisen. So das Erstlingsopfer von den Feldfrüchten²), das ganz offenbar nicht auf den bereits empfangenen, sondern auf neuen, für die Zukunft erbetenen Segen der Götter hinblickt — beiläufig bemerkt übrigens, wie es scheint, in erster Linie nicht so sehr auf die Hoffnungen der nächsten Ernte, wie auf den gedeihlichen Genuß der vorhandenen³). Auch das angebliche Dankopfer nach der Geburt eines Sohnes¹) ist in der Tat durchaus Bittopfer;

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es handelt sich, wie ausdrücklich ausgesprochen wird, darum, den Neugeborenen „mit dem Glanz der Heiligkeit zu läutern, ihm Schärfe zu verleihen, ihm Speisesegen zu verleihen, ihm Kraft der Sinne zu verleihen, ihm Vieh zu verleihen“. Auch dann lag selbstverständlich kein Dankopfer vor, wenn — was nachweislich vorkam — schon in vedischer Zeit die später beliebte Sitte des Gelübdes geübt wurde²): die für den Fall einer bestimmten Gnadenerweisung dem Gott versprochene, nach deren Eintritt ihm geleistete Gabe ist nichts anderes als ein Bittopfer mit verschobenem Zeitpunkt. Gegen einige weitere Fälle von Opfern, die man versucht sein könnte als Dankopfer aufzufassen, stellt die genauere Betrachtung gleichfalls Bedenken heraus. Eine Aufzählung von Königen, welche mit der „Indra heiligen großen Salbung“ geweiht sind, sagt von jedem, daß er „über die ganze Erde siegreich herumgezogen ist und das Opferroß geopfert hat“¹). Soll danach das Roßopfer als Dankopfer für große Siege aufgefaßt werden? Es mag etwas vom Charakter eines solchen angenommen haben. Aber die nähere Betrachtung des betreffenden Rituals erweist, wie ich meine, mit voller Klarheit, daß wenigstens ursprünglich auch hier, vielleicht nicht genau genommen ein Bittopfer, aber ein Zauber vorlag, der auf zu erlangende Güter gerichtet war (siehe S. 317); es wurde Unwiderstehlichkeit, Sieg, eine mit Glanz und Reichtum gesegnete Regierung vom Roßopfer erhofft²).

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Und wenn dieser Ritus schon errungene Erfolge zur Voraussetzung hat, liegt darin wohl weniger das Moment des Dankes als die Vorstellung, daß die betreffenden Wünsche bei Schwachen und Geringen keinen Sinn haben, ein solches Unterfangen vielmehr dem, der unbefugt damit spielt, gefährlich wird: „fortgespült wird, wer ohne die Kräfte dazu zu haben das Roßopfer darbringt“³). — Das Totenopfer ferner, das aus Anlaß freudiger Ereignisse in der Familie wie einer Geburt oder Heirat gefeiert wurde⁴), weist in seinem Ritual keine Spur davon auf, daß es den Dank an die Vorfahren als Geber jenes Glücks darstellt. Es scheint sich einfach darum zu handeln, daß auch den verstorbenen Angehörigen des Hauses Anspruch auf Anteil an der Freude der Lebenden zuerkannt wurde; vielleicht spielt auch der Gedanke mit, daß gerade der, dem besonderes Glück zuteil geworden ist, die meiste Ursache hat, sich der Gnade jener mächtigen Helfer zu versichern. — Am nächsten dem Aussehen eines Dankopfers kommt vielleicht das in den folgenden Sätzen eines Sūtratextes¹ vorgeschriebene Opfer: „Wenn einen, der die Opferfeuer angelegt hat, Krankheit befällt, ziehe er hinaus ... Die Feuer lieben das Dorf, wird gesagt. Nach diesem verlangend, Rückkehr zum Dorf begehrend möchten sie ihn wohl gesund machen, so wird gelehrt. Ist er gesund geworden, soll er ein Somaopfer oder ein Tieropfer oder ein gewöhnliches Opfer darbringen und wieder an der alten Stelle wohnen.

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Oder ohne ein solches Opfer.“ Vielleicht liegt hier, wie man nach der Analogie einiger der besprochenen Fälle glauben möchte, doch ein Bittopfer vor, das der künftigen Gesundheit gilt. Man wird aber kaum leugnen können, daß ein solches Bittopfer einem Dankopfer mindestens sehr ähnlich sieht, und wird vermuten dürfen, daß eben Bittopfer dieser Art im Lauf der Entwicklung leicht den Ausgangspunkt für Dankopfer haben abgeben können. —