Die Religion des Veda c8.s10.115
Die Religion des Veda c8.s10.115
- Language
- German
c8.s10.115
Am heiligen Feuer¹ steht der Lehrer, zwischen ihm und dem Feuer der Knabe, gebadet und geschmückt, mit geschorenem Haar. Der Lehrer schlingt um ihn dreimal rechts herum den Gürtel, der, wie der begleitende Spruch sagt, „vor bösem Wort behütet, als ein Klärmittel die Farbe uns reinigt, mit dem Ein- und Ausatmen Kraft gewinnt: die freundliche Gottheit, die glückbringende“². Wie bei der Hochzeit der Bräutigam die Hand der Braut ergreift, faßt hier der Lehrer die Hand des Schülers. Dann läßt er ihn sich rechts herum drehen und legt die eigene Hand über seine Schulter, so daß sie die Stelle seines Herzens berührt; die zugehörigen Sprüche drücken aus, daß er damit des Knaben Herz in seinen Willen nimmt: „meinem Denken folge dein Denken; meines Wortes freue dich von ganzer Seele; Bṛhaspati verbinde dich mir“¹). Es findet sich auch die Angabe, daß der Lehrer dem Knaben zu seinem gewöhnlichen Namen noch einen andern, vom Namen eines Gottes oder eines Gestirns abgeleiteten oder auf seine Gens bezüglichen gibt, der bei feierlichen Begrüßungen anzuwenden ist²). Schließlich erteilt der Lehrer ihm die Anweisung: „Ein Schüler (*brahmacārin*) bist du; lege das Holzscheit an; genieße Wasser; verrichte den Dienst; schlafe nicht bei Tage; hemme die Rede bis zum Anlegen des Holzscheits.“ Damit ist der Knabe in die Lehrzeit eingetreten. Er hat während dieser strenge Keuschheit zu beobachten, sich gewisser Speisen wie des Honigs und Fleisches zu enthalten³), morgens und abends Holz ins heilige Feuer des Lehrers zu legen und um Nahrung bettelnd durchs Dorf zu gehen. Vor allem aber hat er den Veda, zuvörderst die das Vedastudium einleitende Sāvitrī zu lernen, den Vers, in dem Gott Savitar gebeten wird, die Gedanken des Menschen rege zu machen⁴).