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Die Religion des Veda c8.s10.41

Die Religion des Veda c8.s10.41

Language
German

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Die Pravargyafeier. Indem wir von diesen Opfern, die sozusagen den regulären vedischen Festkalender ausmachen, zum Somaopfer überzugehen uns anschicken, sei hier zuvörderst ein Ritus erwähnt, der in der Überlieferung als dem Somaopfer zugehörig, dieses vorbereitend erscheint, ursprünglich aber vermutlich selbständig gewesen ist: das Opfer heißer Milch an die Aśvin (Pravargya, Gharma)²). Ein spannenhohes Gefäß wird erhitzt. Unter ihm liegt eine Silber-, über ihm eine Goldplatte. Milch einer Kuh und einer Ziege wird hineingegossen und den Aśvin geopfert; der Opferer genießt seinen Anteil davon. Die Ritualtexte schreiben die täglich zweimalige Wiederholung dieser Feier, am Morgen und Nachmittag, durch eine Reihe dem Somaopfer vorangehender Tage vor; im Ṛgveda scheint allein der morgendliche Charakter der Feier hervorzutreten, der Natur der Aśvin entsprechend. „Agni beglänzt der Morgenröten Antlitz; zu den Göttern haben sich der Beter Reden erhoben. Herwärts kommt nun, ihr Wagenlenker, ihr Aśvin, zum strotzenden Gluttrank“ — so beginnt ein Lied (V, 76), und ein anderes spricht von den Gluttränken, welche die Morgenröte begleiten (VII, 33, 7). Mir scheint hier — wenn ich dies auch nur als Vermutung auszusprechen wage — ein ursprünglich auf die Sonne sich richtender Zauber vorzuliegen¹). „Von der Sonne her haben sie den Gharma gebracht,“ heißt es schon im Ṛgveda (X, 181, 3). Die Hitze des Gluttranks stellt die Sonnenhitze dar;

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das Opfer soll diese sichern, stärken, vor allem aber sie dem Opferer zugute kommen lassen. Der Beweis kann sich freilich, wie sich bei der Lage unserer Materialien von selbst versteht, fast nur auf die jüngeren Veden stützen. Die aber lassen in der Handlung selbst wie in den Sprüchen als Leitmotiv immer wieder die Vorstellung der Hitze hervortreten, und eine Reihe von Hindeutungen weist dabei speziell auf die Sonnenhitze. Oben (S. 422) war schon von den Observanzen die Rede, die mit der Geheimlehre von diesem Opfer verbunden sind: es war z. B. verboten sich im Sonnenschein zu bedecken, dort auszuspeien oder den Urin zu lassen: klare Hindeutungen darauf, daß man den Darbringer des Gharma als in besonderer Bundesgenossenschaft mit der Sonne stehend betrachtete. Aus den zur Gharmafeier gehörigen Sprüchen²) hebe ich die Anrufung an Savitar hervor, „dessen aufwärts gerichteter Drang das Licht hat leuchten lassen bei seinem Antrieb; der goldhändige Weise hat durch sein Walten die Sonne geschaffen.“ „Dreimal am Tage haben sie des Namens der Sonne gedacht.“ „Ich sah den Wächter, der sich nicht niederlegt, der hin und her auf seinen Pfaden wandelt“ — offenbar ist die Sonne gemeint³).

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Unter den Sprüchen des Yajurveda, die an den glühenden Kessel gerichtet sind oder von ihm reden, finden sich folgende ¹): „Das Feuer leuchtet, hergekommen mit dem Feuer, mit Gott Savitar, mit der Sonne.“ „Dem Herzen dich, dem Geist dich, dem Himmel dich, der Sonne dich.“ „Dem Strahl der Sonne, dem regenspendenden ²) opfere ich dich.“ „Beglühe der Sonne Glut.“ „Sonne bist du; Sonne gib mir.“ „Singend haben die einen ³) das große Lied ersonnen: damit haben sie die Sonne festgehalten; damit haben sie die Sonne leuchten lassen.“ Und ganz im Sinn dieser Sprüche sagen auch die Erklärungen der Brāhmaṇas ⁴) für die einzelnen Opferhandlungen überaus häufig, daß die Gharmafeier oder der bei ihr gebrauchte Glutkessel die Sonne ist ⁵). — Was speziell den Inhalt des Kessels, die Milch anlangt, so scheint die weiße Flüssigkeit Symbol des Sonnenglanzes zu sein. „Glanz bist du, Licht bist du,“ sagt der Priester zu ihr¹), und so stellt ein Vers des Ṛgveda²) es unter Indras Taten in eine Linie, daß der Gott „in den rohen die gare (d. h. in den Kühen die Milch) erweckt und die Sonne am Himmel emporgeführt hat“. Indem man die Milch glühend macht, teilt man der Sonne Glut mit: und wenn dann weiter, einer mehrfach hervorgehobenen Tendenz entsprechend, der Zauber die Gestalt eines von den Göttern genossenen Opfers annimmt, welche Gottheiten wären mit so großem Recht Empfänger dieses Opfers wie die vor dem Erscheinen der Sonne den Morgen beherrschenden Aśvin? —