Die Religion des Veda c8.s10.56
Die Religion des Veda c8.s10.56
- Language
- German
c8.s10.56
Der Soma kann nicht wie das Opfergebäck oder das Opfertier je nach Umständen dem einen oder dem anderen Gott dargebracht werden. Nach der feststehenden Ordnung der Morgenpressung, der Mittags- und der Abendpressung — woran sich dann bei der Feier des „Atirātra“ noch nachtdurchziehende Riten schließen¹) — opfert man ihn einer Reihe von Gottheiten, die wohl einzelner Zusätze fähig ist, in der Hauptsache aber feststeht und der Intention nach offenbar sämtliche Gottheiten²) umfaßt: die wichtigeren erscheinen jede einzeln mit ihrem Namen, und der nicht erschöpfbaren Masse der geringeren wird eine an „Alle Götter“ gerichtete Darbringung zuteil. So ist das Somaopfer ein allgemeines Trinkfest für Götter und Priester. Unter den göttlichen Gästen aber genießt einer die Hauptehre Indra. Wie die Lieder und Opfersprüche vor allen anderen Göttern ihn als Somatrinker feiern, als den Gott, dem der Adler den Soma gebracht und der im Somarausch die größten Taten getan hat¹), so gibt auch das Ritual ihm den Löwenanteil. Bei der Morgenpressung empfängt unter den anderen Göttern auch er, allein und mit göttlichen Genossen, Spenden und Lobpreisungen. Dann aber gehört die offenbar den Höhepunkt des ganzen Opfers bildende Mittagspressung im wesentlichen ihm allein²). Hier werden die vornehmsten Gesangweisen — Bṛhat und Rathaṃtara — auf Texte, die Indra verherrlichen, gesungen. Nach dem Ritual der jüngeren Quellen ist hier jedem der vier mit gesprochenen Rezitationen betrauten Priester eine große Indralitanei zugeteilt³). Hier gehört zur Somapressung die pomphafte Rezitation eines Priesters, der bei der Morgenfeier überhaupt nicht beschäftigt war, des Grāvastut, d. h. des „Preisers der Preßsteine“¹: es kann kein Zufall sein, daß er eben da in die Erscheinung tritt, wo es sich um den Hauptanteil Indras am Soma handelt. So ist hier alles voll von einer aufs höchste gesteigerten Verherrlichung dieses einen Gottes. Schließlich empfängt Indra denn auch bei der dritten Somapressung in der Reihe anderer Götter von neuem sein Teil². „Des Morgens“, heißt es im Ṛgveda (IV, 35, 7), „hast du den Saft getrunken, Herr der falben Rosse; die Mittagspressung gehört dir allein: trinke nun zusammen mit den Ṛbhus, den Kleinodspendern, die du dir, Indra, zu Freunden gemacht. hast um ihrer schönen Werke willen.“
Linked texts (1)
- Ṛgvedasaṃhitā — Sanskrit