Die Religion des Veda c8.s11.77
Die Religion des Veda c8.s11.77
- Language
- German
c8.s11.77
Hier werden wir auf die Rolle geführt, die in verschiedensten Gebieten des Rituals dem Stock zukommt. Der Vedaschüler (*brahmacārin*), den die ihm aufgelegten Observanzen als eine durch Geisterangriff besonders gefährdete Person charakterisieren, empfängt bei dem feierlichen Akt seiner Aufnahme zugleich mit der Ankündigung der ihm obliegenden Pflichten den Stab; er hat ihn beständig zu tragen und darf zwischen ihm und seinem Körper keinen Durchweg lassen¹). Bei der Feier am Ende der Lehrzeit wird der Stab mit dem Gurt, der dem Schüler bei seiner Aufnahme angelegt war, und einigen anderen von besonderer Heiligkeit erfüllten Objekten „ins Wasser geopfert“²). Zugleich aber empfängt der nun in ein neues Lebensstadium tretende, neuen Observanzen unterworfene Brahmane einen neuen Stab von anderem Material als der Schüler ihn getragen hatte. Ein dabei gesprochener Spruch in seinen verschiedenen Fassungen zeigt den Zweck des Stabes an: „Schütze mich von allen Seiten“ — „vor allen Mächten des Verderbens schütze mich von allen Seiten“ — „schlage alle Feindesscharen ringsum wie der Schätzespender (Indra)“: dabei werden neben menschlichen Feinden und schädlichem Getier auch die Rakṣas und Piśācas genannt³). — In anderem Zusammenhang wurde darauf hingewiesen (S. 410), daß der Geweihtheit des Brahmanenschülers die des Somaopferers vergleichbar ist: hier wie dort ein aus der profanen Existenz sich heraushebender, durch besondere Observanzen charakterisierter Zustand, der durch eine Weihehandlung eröffnet, durch ein die Weihe fortwaschendes Bad abgeschlossen wird. Es bestätigt unsere Auffassungen, daß der Stab, der die gefährdenden Geister vertreibt, Attribut wie des Brahmanenschülers so auch des Trägers der Somaweihe (Dīkṣā) ist. Die Regel wird aufgestellt: „Überreichung eines Stabes an den Dīkṣita oder an den Brahmanenschüler“⁴); die Bedeutung aber des bei der Dīkṣā verwandten Stabes wird von einem Brāhmaṇatext⁵) mit den Worten erläutert: „Ein Donnerkeil (Vajra) ist der Stab zur Vertreibung der Rakṣas.“ — Der Stab des Dīkṣāvollziehers geht im weiteren Verlauf des Opfers auf einen der Priester, den Maitrāvaruṇa, über¹). Wenn dieser während der Darbringungen neben dem Sitz des rezitierenden Priesters steht, den Körper nach vorn geneigt, den Stab auf den Opferaltar (*vedi*) stützend²), so darf man ohne Zweifel auch in dieser Haltung die Bereitschaft zur Abwehr herandringender feindlicher Geister erkennen³). — Ein anderer Stab, Sphya genannt, der in sehr verschiedenen Verwendungen im Opferritual erscheint, hat an vielen Stellen offenbar dieselbe Bedeutung der dämonenvertreibenden Waffe. Der Priester redet ihn an: „Indras rechter Arm bist du, mit tausend Kanten, hundert Schärfen“; er schleudert ihn auf den Erdaltar des Opfers (*vedi*) und wirft die so aufgewühlte Erde auf den Kehrichthaufen mit Sprüchen, welche diese Erde als den Feind, den Dämon Araru benennen: der soll fern von der Stätte des Götteropfers in Banden gehalten werden⁴). Beim Totenopfer wischt man mit dem Sphya über den Altar hin und sagt: „Weggeschlagen sind die Asuras und Rakṣas, die auf dem Altar sitzen“⁵). Man sieht, in wie verschiedenen Formen derselbe rituelle Zug wiederkehrt. —