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Die Religion des Veda c8.s3.10

Die Religion des Veda c8.s3.10

Language
German

c8.s3.10

Eine Reihe von Gebräuchen, die den hier in Rede stehenden verwandt sind, können zur Bestätigung dieser Auffassung von der „Medizin“natur der Opferspeise herangezogen werden. Beim Opfer an die Vorfahrengeister genießt die Gattin des Opferers, die sich einen Sohn wünscht, vom dargebrachten Mehlkloß (Gobhila IV, 3, 27 und sonst): sie leitet so die durch das Opfer gewonnene Gunst der Kindersegen verleihenden Vorfahren in sich herüber. Von derselben Totenopferspeise genießt auch wer an schwerer Krankheit leidet: dann wird er alsbald gesund oder er stirbt (Āśv. Śr. II, 7, 17). — Bei der Aufnahme des Schülers zur Lehrzeit gibt der Lehrer diesem den Rest der bei dieser Gelegenheit dargebrachten Opferspeise zu essen mit einem Spruch: „In dich setze Agni Weisheit“ usw. (Hiraṇyakeśin G. I, 4, 9). — Nach der Hochzeit genießt das in die neue Heimat gelangte junge Paar als erstes eine mit Sprüchen geweihte Opferspeise. Der Mann berührt die Opferspeise mit der Hand, ißt von ihr und gibt der Frau zu essen; der zugehörige Spruch lautet: „Mit der Fessel der Speise, dem Amulett, mit dem Faden des Lebens, dem bunten, dessen Knoten die Wahrheit ist: damit binde ich dir Herz und Geist. Was dein Herz ist, das soll mein Herz sein. Was mein Herz ist, das soll dein Herz sein. Die Speise ist des Lebens Fessel, damit binde ich dich!“ (Gobh. II, 3, 18 f., Mantra Br. I, 3, 8 f.). Hier, wo es sich um Schließung eines lebenverknüpfenden Bandes handelt, kommt es offenbar in erster Linie auf die dieses Band herstellende Gemeinsamkeit des Essens an, aber die Wirkung wird verstärkt, indem die mit mystischer Kraft erfüllte Opfergabe als Speise gewählt wird. — Die vor dem Somaopfer vom Opferer und seinen Priestern gemeinsam berührte Opferbutter — es handelt sich wohl um eine Art Treuschwur — genießt später der Opferer: er nimmt so die Substanz, welche die gegenseitige Treue aller beim Opfer Beteiligten verbürgt, in sich auf¹). — Der zur Keuschheit verpflichtete Brahmanenschüler, der sein Gelübde verletzt hat, opfert einen Esel. Der Gedanke ist, daß, was von seiner männlichen Kraft verloren gegangen ist, ihm von dem geilen Esel her ersetzt wird¹). Der Opferer kleidet sich in das Eselfell²); das von ihm zu genießende Stück des Opfertiers aber wird aus dessen Penis geschnitten (Kāty. I, 1, 17): ein drastischer Ausdruck für die Hineinleitung der speziellen Wirkung des Opfers in die Person des Opferers³).

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