Die Religion des Veda c8.s4.2
Die Religion des Veda c8.s4.2
- Language
- German
c8.s4.2
Das Zauberfeuer trifft im vedischen Kultus mit dem Opferfeuer zusammen, und beide Typen auseinanderzuhalten ist für uns um soviel schwieriger, als sie sich ohne Zweifel für die Alten selbst schon früh vielfach vermischten: auf dem Boden jener mit Opferwesen aller Art überladenen Kultgewohnheiten lag in der Vollziehung eines Ritus angesichts eines flammenden Feuers von selbst die Konsequenz, daß es wenigstens in der Regel zur Darbringung einer Opferspende in dies Feuer kommen mußte. Einen Anhalt zur Deutung der Feuerverwendung geben die Riten vieler Naturvölker, die das Opferfeuer nicht kennen. Da pflegen doch alle wichtigeren Akte in Gegenwart des Feuers vollzogen zu werden: bei der Entbindung flammt neben der Wöchnerin ein Feuer, das sie und das Kind vor Nachstellungen der Geister schützt; die Zeremonie, durch die der herangewachsene Knabe in den Kreis der Männer aufgenommen wird, die Vollziehung mannigfacher Gebräuche, wie der Haarschneidung u. dgl., die Darbringungen an Götter oder Geister, schließlich die Bestattung: alles das verlangt, um nicht von Geistern gestört zu werden, die Nähe eines Feuers. Wer bekannt mit der geradezu über die Erde verbreiteten Verwendung dieses Zauberfeuers an das vedische Ritual herantritt, wird dasselbe Feuer in vielen Fällen wiedererkennen, auch wo das Ritual die Darbringung von Opferspenden vorschreibt. Wie das von den sonstigen Wohnräumen abgesonderte Wöchnerinnenhaus (*sūtikāgṛha*)¹, so hat die indische Sitte auch das Wöchnerinnenfeuer (*sūtikāgni*) mit der Sitte der Naturvölker gemein. „Man nimmt,“ sagt Hiraṇyakeśin¹), „das häusliche Opferfeuer fort und bringt das Wöchnerinnenfeuer. Das wird nur zum Wärmen (von Gefäßen u. dgl.) benutzt.“ Neben diesem praktischen Zweck aber natürlich vor allem zum Zauber. Der Autor fährt fort: „Heilige Handlungen werden mit ihm nicht verrichtet außer der Räucherung. Er räuchert das Kind mit kleinem Korn vermischt mit Senfsamen“ — und es folgen Sprüche gegen die bösen Geister, die der Geisterkönig gesandt hat, die nachts durch das Dorf wandeln, die aus Schädeln trinken: Agni soll ihnen Lunge, Leber, Herz verbrennen.