Die Religion des Veda c8.s4.24
Die Religion des Veda c8.s4.24
- Language
- German
c8.s4.24
³ Das awestische Baresman bestand bekanntlich in Baumzweigen mit einem Band umbunden (Darmesteter, Le Zend-Avesta vol. I, S. LXXIII f.), die während des Opfers teils auf einem Ständer (abgebildet ebendaselbst pl. VI) ruhten, teils in der Hand gehalten wurden (ebendaselbst 386. 391; Vend. XIX, 19 usw.). Bei den zur Opferzeremonie gehörigen Weihungen und Darbringungen wurde das Baresman in verschiedenen Formen berührt, die Darbringung ihm angenähert oder darüber ausgegossen; die verschiedenen Stellen des Baresman resp. die rechte und linke Seite repräsentierten dabei verschiedene Gottheiten: die rechte Seite die Seelen, in vielleicht nicht zufälliger Übereinstimmung mit der vedischen Bedeutung der rechten Seite (Südseite) als Seelenregion. Die ursprüngliche Identität nun dieses Baresman mit dem vedischen Barhis scheint mir kaum zweifelhaft. Beide Worte, wenn auch im Suffix verschieden, gehören offenbar zur selben Wurzel (mit *brahman* hat *baresman* schwerlich etwas zu tun; ebenso urteilt Osthoff, Bezz. Beitr. XXIV, 143 f.). Beide bezeichnen ein beim Opfer figurierendes vegetabilisches Element, hier Zweige, dort Gräser; im Veda wie im Awesta ist es Träger besonderer Heiligkeit oder Gottesnähe. Beim Barhis (Hillebrandt, Neu- und Vollmondsopfer 8. 64) wie beim Baresman spielt ein umwindendes Band eine Rolle. Besonders wichtig aber ist, daß in bezug auf Baresman wie Barhis stehend das Verb *star* resp. *fra-star* „ausbreiten“ (vgl. den vedischen, mit dem Barhis zusammengehörigen *prastara*-Bündel; Hillebr. 64) gebraucht wird. (Man beachte, daß auch das awestische *bareziš* „Polster“, das dem ved. *barhis* genau entspricht, das Verb *star* bei sich hat). Der awestische Fromme heißt *steretōbaresman* („der das Baresman ausgebreitet hat“), wie der vedische *stīrṇabarhis* heißt. Man beachte noch, daß im Awesta als Hauptelemente von Opfer und Heiligkeit Feuer und Baresman, Feuer Baresman und Haoma, Libation und Baresman ganz so solenn nebeneinander genannt werden, wie im Veda das entflammte Feuer und das gestreute Barhis, oder Feuer Barhis und Soma, oder Barhis und Opfergabe; vgl. Vend. 3, 16 usw.; 9, 56, Visp. 2, und anderseits Ṛv. IV, 6, 4; X, 21, 1; Vaj. Saṃh. XV, 49; Ṛv. V, 37, 2; 2, 12 usw. Auf welchem Wege sich der Übergang der auf der Erde ruhenden Opferstreu in die von der Erde losgelösten, beweglich gewordenen heiligen Zweige, wie das Awesta sie kennt, vollzogen hat, ob etwa das alte Barhis hier mit einem ursprünglich von ihm verschiedenen Element zusammengeraten ist, muß ich den Iranisten zu untersuchen überlassen. — Anders über Barhis und Baresman E. Lehmann, Zarathustra I, 131 f.
Cites (2)
- Śuklayajurvedasaṃhitā — Sanskrit
- Ṛgvedasaṃhitā — Sanskrit