Die Religion des Veda c8.s4.38
Die Religion des Veda c8.s4.38
- Language
- German
c8.s4.38
Wenden wir uns nun von diesen Vermutungen über die Vorgeschichte zu den tatsächlichen Verhältnissen und Gebräuchen, die das vedische Opferfeuer betreffen ³). Hier ist zunächst vom Gegensatz der Opfer mit dem einen und derer mit den drei Feuern zu sprechen. Neben der einfacheren Weise des Opferns mit einem Feuer entwickelte sich früh¹) eine kunstvollere, die drei Feuer verlangte; den Opfern dieser Form, namentlich dem ihnen zugehörigen Somaopfer wandte sich das Interesse der Opferkünstler, das immer mehr sich steigernde priesterliche Raffinement mit besonderer Vorliebe zu. Ursprünglich — hierüber sind nur Vermutungen möglich — mag das Verhältnis das gewesen sein, daß man das eine beständig unterhaltene heilige Feuer der einfacheren Opfer für die Bedürfnisse dieser komplizierteren Riten in drei zerlegte. In dem uns vorliegenden Ritual aber stehen das eine Feuer, „das häusliche“, und die drei Feuer unabhängig nebeneinander. Jedes Familienhaupt unterhält das eine Feuer und vollzieht den daran geknüpften Kultus; für den Hochgestellten und Wohlhabenden schickt sich außerdem die Anlegung der drei Feuer und damit die Begründung eines größeren Kultzentrums; da sammeln sich viele im Hause des Opferherrn wohnende Brahmanen, Opferpriester und andere²). Gewisse Hauptzeremonien sind den Ritualen des einen und der drei Feuer gemeinsam: das tägliche Morgen- und Abendopfer, die Neu- und Vollmondsfeier wird der Hauptsache nach übereinstimmend auf beide Weisen gefeiert: eine sakrale Dublette, die für unursprünglich zu halten nah liegt. Andere Handlungen aber fallen nur in das eine oder das andere Gebiet; so werden die dem Familienleben angehörigen Weihen nur mit dem einen, das Somaopfer nur mit den drei Feuern vollzogen³).