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Die Religion des Veda c8.s4.43

Die Religion des Veda c8.s4.43

Language
German

c8.s4.43

Was das nähere Wesen der drei Feuer anlangt⁴), so hat man es nicht als Vermutung, sondern als selbstverständliche Gewißheit ausgesprochen¹), daß in ihnen die Verschmelzung dreier verschiedener Feuerdienste zu erblicken sei. Dieser Gedanke liegt nah, aber ich kann in den tatsächlichen Verhältnissen des vedischen Rituals nichts entdecken, was ihn bestätigt, nicht auch nur Spuren solcher Verteilung der heiligen Handlungen auf die verschiedenen Feuer, daß die an jedes von ihnen geknüpften Verrichtungen als sakraler Sonderbesitz irgend einer Priestergruppe vorstellbar wären²). Vielmehr handelt es sich offenbar um ein Zusammenwirken aller drei Feuer bei denselben Riten, derart, daß in der Rolle eines jeden ein bestimmter Charakter herrscht oder wenigstens vorherrscht. An der Spitze steht das Gārhapatyafeuer („Feuer des Hausherrn“), offenbar der Repräsentant des alten Haus- und Herdfeuers; es wird allein ständig unterhalten, und aus ihm werden die beiden anderen Feuer, wenn sie erforderlich sind, entnommen³). Der Verreisende verabschiedet sich zuerst vom Gārhapatya-, alsdann vom Āhavanīyafeuer (s. sogleich); der Heimkehrende anderseits begrüßt zuerst das Āhavanīya-, dann das Gārhapatyafeuer: das letztere wird also gewissermaßen als im Zentrum befindlich angesehen, so daß man es zuerst verläßt und zuletzt zu ihm zurückkehrt⁴). Das hier berührte zweite Feuer, das Āhavanīyafeuer („Feuer der Darbringungen“), ist nach Osten gelegen. Auf den Unterschied der beiden⁵) deutet ein Brāhmaṇa⁶) in folgenden Worten hin: „Das ist der Āhavanīya. Der ist nicht dazu da, daß man in ihm kocht, was nicht gekocht ist. Dazu ist er vielmehr da, daß man, was gekocht ist, in ihm opfert.“ Der Gārhapatya also, das Feuer des praktischen, menschlichen Gebrauchs, dient für die Zurüstungen wie das Bereiten der Opferspeise, das Erhitzen der Gefäße u. dgl.; der Āhavanīya ist die Flamme, in der die Götter die Spende zu sich nehmen¹). Das dritte Feuer endlich, der Anvāhāryapacana [„Feuer für das Anvāhārya-Muß“²)] oder Dakṣiṇāgni („südliches Feuer“) steht, wie sein Platz im Süden anzeigt, in spezieller Beziehung zu den Manen und bösen Geistern. Schon oben (S. 340 f.) wurde die Vermutung ausgesprochen, daß es die von diesen drohende Störung beim Opfer abzuwehren bestimmt war. Zugleich aber diente es zur Aufnahme der an sie gerichteten Spenden. Der Gārhapatya „gehört dem Opferherrn als seiner Gottheit“, das südliche Feuer „gehört dem feindlichen Nebenbuhler“³). Der Gārhapatya schützt vor Gefahr, die von Menschen kommt, das Südfeuer vor Gefahr, die von den Vätern (Manen) kommt⁴). Bei der Königsweihe wird dem südlichen Feuer ein Brand entnommen und darin ein zur Abwehr böser Geister bestimmtes Opfer vollzogen; im zugehörigen Spruch heißt es: „Getötet ist der Dämon“⁵). Beim selben Opfer wird ein Feuerbrand gleichfalls dem südlichen Feuer entnommen und darin der Göttin der Vernichtung, Nirṛti, eine Spende dargebracht⁶).