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Die Religion des Veda c8.s4.8

Die Religion des Veda c8.s4.8

Language
German

c8.s4.8

Dasselbe Feuer erscheint auch beim Ritus der Schüleraufnahme (*upanayana*), d. h. der nach den Verhältnissen des brahmanischen Schülertums umgemodelten uralten Pubertätsweihe: Lehrer und Schüler „treten beide hinter das Feuer hin, das Antlitz nach Osten der Lehrer, nach Westen der andere“¹ — und der Lehrer investiert den Knaben mit dem Gurt, dem Zeichen der „Zweimalgeborenen“. Hierbei wird allerdings auch eine Opferspende erwähnt, aber diese begreifliche Zutat kann doch den ursprünglichen Sinn des Feuers nicht verdunkeln. Ähnlich wird der an diese Aufnahmefeier sich anschließende Unterricht im Veda beschrieben²: „Nördlich vom Feuer setzen sie sich, der Lehrer mit dem Antlitz nach Osten, der andere nach Westen;“ die Texte werden dann vorgetragen und für jedes Lied Wasser in eine Grube gesprengt — als Totenspende für die in der Tiefe weilenden Lieddichter? —; von Opferspenden aber, zu denen das Feuer bestimmt wäre, ist hier nicht die Rede. — Für den Vortrag besonders heiliger, d. h. von besonderer Gefährlichkeit erfüllter Gesangweisen wird die Nähe eines Feuers mit der ausdrücklichen Bemerkung vorgeschrieben: „Wenn man sie (die Gesänge) ohne Beschwichtigungsmittel vorträgt, bringt der Gott Tod über die Geschöpfe“³). — Vom Feuer bei der Weihe (*dīkṣā*) des Somaopferers werden wir an anderem Ort sprechen⁴); auch dies Feuer ist unverkennbar ein Zauberfeuer. — Bei den Opfern des großen mit den drei Feuern zu vollziehenden Rituals (S. 348) darf, scheint mir, das dritte, südliche Feuer seiner ursprünglichen Bedeutung nach als das die schädlichen Geister vertreibende Zauberfeuer verstanden werden: der Süden ist die Richtung, aus der die Seelen der Verstorbenen und die mit ihnen verwandten Dämonen¹ gefahrbringend nahen. Beim Totenopfer tritt die Verwendung des Feuers als Dämonenvertreiber besonders deutlich hervor: offenbar glaubte man, daß gerade in Gesellschaft der Toten böse Geister besonders leicht sich an das Opfer herandrängen konnten. Hier wurde aus dem südlichen Opferfeuer ein Brand entnommen und in südlicher Richtung niedergelegt mit einem Spruch, der Agni aufforderte, alle Asuren, die in mannigfachen Gestalten hier und dort nahen möchten, zu vertreiben². — Schließlich sei noch das in die Schlacht mitgenommene Heerfeuer (*senāgni*)³ und das Feuer, mit dem nach der Bestattung die Überlebenden die todbringenden Mächte von sich fernhielten, erwähnt⁴. — Dieser kurze Überblick wird genügen, zu zeigen, wie festgewurzelt und zugleich wie verbreitet der Gebrauch des Zauberfeuers im vedischen Kultus gewesen ist.