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Die Religion des Veda c8.s5.62

Die Religion des Veda c8.s5.62

Language
German

c8.s5.62

Im Zusammenhang mit dem Tieropfer muß auch die Frage nach der Existenz von Menschenopfern in der vedischen Zeit berührt werden¹). Hier ist zuvörderst davon zu sprechen, daß unter den Vorschriften für die bekanntlich mit besonderem zeremoniellem Pomp umgebene Erbauung des Feueraltars (*agnicayana*) sich die Bestimmung findet, daß fünf Opfertiere — Mensch, Roß, Rind, Schafbock, Ziegenbock — verschiedenen Göttern zu opfern sind: die Rümpfe (außer dem des Ziegenbocks) werden in das Wasser geworfen, aus dem man den Ton für den Bau nimmt — diesem Ton soll dadurch Festigkeit verliehen werden —; die fünf Häupter aber werden später in die unterste Schicht des Gemäuers eingemauert²). Das alles wird im Śatapatha Brāhmaṇa als Brauch der Vergangenheit, aber keineswegs sehr ferner Vergangenheit³) charakterisiert; in der Gegenwart seien Ersatzriten gebräuchlich. Die Weise, wie die betreffenden Angaben auftreten, ist gänzlich unverdächtig. Was sich hier in bezug auf das rituelle Bauwerk des Altars in der Überlieferung erhalten hat, galt vermutlich einmal für Bauwerke überhaupt, soweit sie die entsprechende Wichtigkeit besaßen⁴). So erkennen wir hier den über die Erde verbreiteten Glauben wieder, daß ein Bau Festigkeit durch ein Bauopfer, insonderheit ein Menschenopfer erlangt ¹). Doch trifft offenbar die gebräuchliche Benennung dieses Ritus als Opfer, sofern man „Opfer“ im gewöhnlichen Sinn des Wortes versteht, seine eigentliche Bedeutung nicht. Es handelt sich deutlichermaßen darum, dem Bau Festigkeit mitzuteilen, indem man eine menschliche Seele und die an der menschlichen Leiche haftenden magischen Potenzen in ihn hineinbannt. Also ein mit der Tötung eines Menschen getriebener Zauber, aber kein Menschenopfer im gewöhnlichen Sinn: wenn auch natürlich hier wie oft der Zauber im Lauf der Zeit die Formen eines Opfers angenommen hat ²).

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