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Die Religion des Veda c8.s6.102

Die Religion des Veda c8.s6.102

Language
German

c8.s6.102

Die noch übrigen drei Priester der alten Liste gehören speziell dem Somaritual an. Von ihnen tritt der Potar und der Neṣṭar in den jüngeren Veden ganz zurück, jener der Wortbedeutung nach der „Reiniger“ des Soma, dieser der „Führer“, nämlich der Herbeiführer der Gattin des Opferherrn. Es ist zu vermuten, daß der „Reiniger“, gern an zweiter Stelle, unmittelbar hinter dem Hotar genannt, im Ritual des „sich reinigenden Soma“ (*S. pavamāna*) einst eine bedeutende Rolle gespielt hat. In den uns vorliegenden Opferordnungen ist er zu einem Schemen herabgesunken; er steht eben nur an seiner altüberkommenen Stelle unter den übrigen Priestern ohne selbst wesentlich in die Handlung einzugreifen. Der Neṣṭar, in spezieller Beziehung zu Tvaṣṭar dem Gott der Fruchtbarkeit stehend, tritt nur an einer Stelle des Somaopfers in den Vordergrund. Die Spende an die Götterfrauen³) gibt Gelegenheit, die Gattin des Opferers am Ritus teilnehmen zu lassen, wobei natürlich Fruchtbarkeitszauber getrieben wird. Der Priester, der von der betreffenden Somaspende zu genießen hat — der Agnīdh —, tut dies, indem er sich auf den Schoß des Neṣṭar setzt. Dann führt der Neṣṭar die Gattin herbei, die vom Hauptsänger (Udgātar) beäugelt wird und ihn bittet, ihr Samen zu spenden; sie begießt außerdem ihren entblößten Schenkel zu wiederholten Malen mit Wasser⁴). Der Sinn der letzten Handlungen ist klar; aber auch der Somagenuß des auf dem Schoß des Neṣṭar sitzenden Priesters wird verwandte Bedeutung haben; es wird sich um eine Kraftübertragung handeln von dem Priester, der den Zaubertrank des den Götterweibern geweihten Soma in sich aufnimmt, an den, der das menschliche Weib zum Opfer herbeizuführen im Begriff steht¹). Die obszöne, übrigens doch wohl mehr für das moderne Empfinden als für das des vedischen Inders anstößige Färbung der mit dem Neṣṭar in Verbindung stehenden Riten hat Anlaß zur Vermutung gegeben²), daß dieser Priester dem Kult unarischer Barbaren entstamme. Meines Erachtens ohne Grund; daß es beim Somaopfer einen Priester gibt, der zur Gattin des Opferers und damit zu Fruchtbarkeitszauber in besonderer Beziehung steht, ist ebenso unauffällig, wie es selbstverständlich ist, daß dieser Zauber bei Ariern wie bei Barbaren eben die Färbung trägt, die seinem Wesen entspricht.