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Die Religion des Veda c8.s6.109

Die Religion des Veda c8.s6.109

Language
German

c8.s6.109

Unter den Priestern unserer Liste, in denen wir den Priesterkreis einer ältesten Zeit zu erkennen glauben, fehlen mehrere, die für das historische Ritual von hoher Bedeutung sind⁴). Vor allem die Sänger, in der jüngeren, wohl auch schon in der ṛgvedischen Zeit drei an Zahl⁵), die beim Somaopfer — an den kleineren Opfern nahmen sie nicht teil — bald einzeln abwechselnd, bald gemeinsam die verschiedenen Abschnitte der mit Interjektionen oder Jauchzern aller Art und auch mit Zauberworten¹) durchsetzten Opfergesänge vorzutragen hatten. Diese Gesänge zerlegen sich in zwei große Gruppen. Auf der einen Seite gehörte zu jeder Somapressung des Opfertages — der morgendlichen, mittäglichen und der des Nachmittags — ein Gesang oder ein Komplex von Gesangvorträgen an den durch das Sieb von Schafhaar rinnenden, sich läuternden Soma (*Soma pavamāna*). Es sind Gesänge ganz anderer Art²) als die sonst den Ṛgveda erfüllenden Einladungen an die Götter. Man möchte meinen, daß sich der ermunternde, dämonenverscheuchende Zuruf der Priester an den zum Vorschein kommenden, göttlich beseelten Rauschtrank zu diesen Gesängen entwickelt hat, die sich durch ein ganzes Buch des Ṛgveda in hundertfacher Wiederholung an den Soma wenden: ströme gereinigt; mische dich mit der Milch der Kühe; stärke Indra und die Götter; vertreibe jeden bösen Feind; bring uns Licht und alles Heil. Neben diesen Somaliedern aber trugen die Sänger eine zweite große Masse von Opfergesängen an die gewöhnlichen Opfergötter vor, im ganzen so daß die hervorragenderen Gottheiten, denen nach der Ordnung der drei Pressungen der Soma dargebracht und die Litaneien der Hotarpriester vorgetragen wurden, auch ihren gesungenen Preis empfingen³). Da mochte denn — unter anderen Zauberbeziehungen — auch die zur Geltung kommen, daß sich jener im Mythus gefeierte Gesang samt seiner Wunderwirkung wiederholte, durch den einst die priesterlichen Vorfahren die verschlossenen Kühe erlangt hatten (S. 144): der dem Kuhgebrüll gleichartige Gesang (Ṛv. I, 62, 3; IV, 3, 11 usw.) bewirkt zauberisch, daß die Kühe den Sängern anheimfallen. — Sind nun aber alle diese Gesänge dem Ritual des ältesten Priesterkreises abzusprechen? Das schon erwähnte Fehlen der Sänger in den alten Priesteraufzählungen (S. 386) ¹) wie im awestischen Somaritual scheint diese Ansicht zu empfehlen. Aber die Möglichkeit darf nicht übersehen werden, daß der Gesang älter ist als die Existenz eigener Sänger; es wäre denkbar, daß in alter Zeit beispielsweise dem Potar, dem „Läuterer“ des Soma, auch der Vortrag der Gesänge an den sich läuternden obgelegen hätte. Zur Gewißheit ist hier natürlich nicht zu gelangen.

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