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Die Religion des Veda c8.s6.33

Die Religion des Veda c8.s6.33

Language
German

c8.s6.33

Der König ernennt den Purohita²), der in der Regel sein Amt zu bekleiden scheint, so lange des Königs und sein eigenes Leben dauert. Häufig lassen die Erzählungen nach des Vaters Tod den Sohn Purohita werden; so scheint sich also — ob schon in vedischer Zeit muß dahingestellt bleiben — eine gewisse, wenn auch mehr faktische als rechtlich feststehende Erblichkeit entwickelt zu haben. Das Verhältnis zwischen König und Purohita wird geradezu der Ehe, der Ernennungsakt der Hochzeit angeähnlicht, indem für ihn derselbe Spruch vorgeschrieben wird, mit dem der Bräutigam die Hand der Braut ergreift: „Der bin ich, das bist du; das bist du, der bin ich; der Himmel ich, die Erde du; des Liedes Weise ich, des Liedes Worte du. So laß uns zusammen die Fahrt tun“³). Und in ähnliche Nähe an den König wird der Purohita herangerückt, wenn er als dessen Guru bezeichnet wird⁴), oder wenn er und des Königs Gemahlin und Sohn den drei Opferfeuern verglichen werden: er selbst dem ersten und vornehmsten⁵). „Er (der König) soll ihm folgen wie dem Lehrer der Schüler, dem Vater der Sohn, dem Herrn der Diener“: so sagt das alte Handbuch der Staatskunst⁶). Die Erzählungsliteratur macht die Zusammengehörigkeit von König und Purohita anschaulich. Sie zeigt den Purohita, der in höchster Pracht mit dem König, hinter ihm auf dem Staatselefanten sitzend, feierlich die Stadt umreitet — den Purohita, welcher den aus der belagerten Stadt fliehenden König allein mit der Königin und einem Diener begleitet — den bösen Purohita, der mit dem bösen König zusammen vom Volk erschlagen wird: überall steht der Purohita in nächster Nähe neben dem König, mit Glanz und Reichtum überhäuft. Kein Zweifel, daß solcher Glanz schon in vedischer Zeit dem Purohita zukam; schon damals ist diese Würde für den Brahmanen des Strebens höchstes Ziel; die allerhöchste Höhe aber hat erreicht, wer — was für mehrere Fälle bezeugt ist — die Purohitawürde von zwei oder drei Königreichen in sich vereinigt: eine Stellung undenkbar ohne die übermächtige Ausbildung eines priesterlichen Prestige, das schwache königliche Individualitäten hoch überragte. Daß solche Ziele am ersten dem geschicktesten und skrupellosesten Intriganten erreichbar waren, und daß ihre Erreichung den glücklichen Gewinner prädestinierte, im Getriebe der höfischen Kabalen eine leitende Rolle zu spielen, liegt in der Natur der Sache.