Die Religion des Veda c8.s6.49
Die Religion des Veda c8.s6.49
- Language
- German
c8.s6.49
Wenn wir nun beim regulären Opferkultus; wie den Voll- und Neumondsopfern, dem Somaopfer usw., eine Reihe von Opferpriestern in fest geordneten Funktionen, den rezitierenden Hotar, den singenden Udgātar, den Soma pressenden, Spenden vollziehenden Adhvaryu, den alles überwachenden Brahman finden — wir werden uns mit diesen Priestern weiterhin beschäftigen —, so muß hier gefragt werden: wie verhält sich zu diesen Opferpriestern der Purohita⁵)? Mir scheint in der Natur der Sache zu liegen, daß jener oberste Intendant des königlichen Kultus die Rolle eines dieser Priester vorkommendenfalls wohl übernehmen konnte, keine dieser Rollen aber ihm notwendig zufiel. Die Überlieferung bestätigt dies, soviel ich sehe, durchaus. Sie stellt, wo die geistlichen Persönlichkeiten des königlichen Hofs aufgezählt werden, neben die Opferpriester den Purohita als von ihnen verschieden¹), kennt auch keine Regeln darüber — und bei der Ausführlichkeit, mit der die Ritualtexte sich über derartige Fragen verbreiten, könnten solche Regeln kaum fehlen — daß der Purohita allgemein oder an irgendwelchen Stellen die Funktionen eines dieser Priester zu versehen habe²). Aber in mehreren Fällen finden wir doch, daß der Purohita tatsächlich als Opferpriester fungierte. Und zwar, wie es seine hohe Stellung mit sich zu bringen scheint, vorzugsweise in der angesehensten der betreffenden Funktionen. Hier ist nun, wenn ich recht sehe, im Lauf der Zeit ein Wechsel vor sich gegangen. Für das ältere Zeitalter, solange die das Opfer schmückende dichterische Produktion noch in lebendiger Blüte stand, war der vornehmste Priester der, welcher das poetische Kunstwerk vortrug und in vielen Fällen gewiß es auch selbst geschaffen hatte: der Hotar. Später, als jene Produktion versiegte und man sich begnügte, die Schöpfungen der alten Dichter zu wiederholen, ging der höchste Rang auf einen, wie es scheint, um dieselbe Zeit neu aufgekommenen ¹) Priester über, auf den das Opfer in seiner Gesamtheit beaufsichtigenden Brahman. Dem entspricht es, wie ich glaube, daß es in der älteren Literatur vorzugsweise der Hotar ²), in der jüngeren der Brahman ist, in dessen Funktionen wir den Purohita auftreten sehen. Für den Hotar gibt der Ṛgveda (X, 98) ein klassisches Beispiel im Fall des schon erwähnten Devāpi: „als für Śaṃtanu Devāpi der Purohita zum Hotardienst erwählt flehend sich in Sinnen versenkte, gewährte Bṛhaspati ihm freigebig gottgehörtes regenerlangendes Wort.“ So ist Agni, der göttliche Purohita der Menschen ³), zugleich der Hotar κατ᾽ ἐξοχήν ⁴), und die beiden in der Āprī-Litanei stehend angerufenen „göttlichen Hotar“ heißen zugleich „die beiden Purohita“ ⁵). Auf den Brahman anderseits als auf den Opferpriester, dessen Funktionen der Purohita übernahm ⁶), weist vornehmlich die in einem Brāhmaṇatext ¹) enthaltene Vorschrift hin, daß der vom Opferherrn zu genießende Anteil der Opferspeise, falls jener ein Kṣatriya und mithin zu solchem Genuß unqualifiziert ist, dem Brahman zu übergeben sei: „denn die Stelle für den Purohita ist bei einem Kṣatriya der Brahman; der Purohita aber ist das halbe Ich eines Kṣatriya.“ Und die Erzählung eines anderen Brāhmaṇatextes ²), wie Indra dem Vasiṣṭha gewisse geheime Sprüche offenbart hat, läuft in die Worte aus: „Deshalb pflanzten sich die Geschöpfe fort, die den Vasiṣṭha zum Purohita hatten. Deshalb soll man einen Vasiṣṭhiden zum Brahman machen: so pflanzt man sich fort“ ³). So ist denn auch Bṛhaspati, der Purohita der Götter, in der jüngeren vedischen Literatur stehend ihr Brahman ⁴). Das alles beweist jedoch nicht mehr, als daß dies Zeitalter die Übernahme der Brahmanfunktion durch den Purohita als das Natürliche empfand, nicht aber, daß darin eine feste Regel lag: daher es denn auch nicht verwunderlich ist, wenn gelegentlich ein Purohita in einer ganz anderen Stellung, nämlich als Sänger ⁵), beim Opfer erscheint.
Linked texts (1)
- Ṛgvedasaṃhitā — Sanskrit