Pramāṇa · Search · About · API

Die Religion des Veda c8.s6.6

Die Religion des Veda c8.s6.6

Language
German

c8.s6.6

Aus allen diesen Verhältnissen erklärt sich, daß der Mittelpunkt, um den sich das vedische Opfer bewegt, durchaus das Opferfeuer oder die drei Opferfeuer des einzelnen sind. „Opferer“ (*yajamāna*) oder „Opferherr“ (*yajñapati*)²) ist dieser, nicht der gentilicische oder politische Verband. Wenn es an vielen Stellen des Ṛgveda heißt, daß „die Vasiṣṭhas zu Agni beten“, „Indra von den Bharadvājas beim gepreßten Soma gepriesen wird“ u. dgl., so weist das nicht auf gentilicische Sacra jener Familien hin, sondern bedeutet nur, daß Brahmanen aus dem Hause der Vasiṣṭhas oder Bharadvājas bei Opfern reicher, vermutlich königlicher Opferveranstalter fungiert und dafür diese Lieder gedichtet haben. Freilich gehört nun zur Einzelperson des Opferers von Natur eine gewiß oft große Umgebung. Wir werden uns jenen meist als das Haupt einer „Gesamtfamilie“ zu denken haben, welche Eltern und Kinder, Brüder und Stiefbrüder umfaßt, sich auf Aszendenten, Deszendenten, Seitenverwandte aus mehreren Generationen erstrecken kann³). Die wohnen alle dem Opfer bei. An bestimmter Stelle des Ritus fassen sie die Gattin des Opferers an — diese den Opferer selbst, der Opferer den Adhvaryupriester¹) —; so bringen sie die Beteiligung der ganzen Familie am Opfer und dem von ihm erhofften Segen zum Ausdruck. Das eigentliche Subjekt des Opferns bleibt darum doch der Yajamāna. Es gibt Opfer, die der Sache nach für das Wohl, oder mit für das Wohl des ganzen Volks und unter Beteiligung weitester Volkskreise dargebracht werden²). Aber Opferveranstalter im technischen Sinn ist auch da ein einzelner, der König. So beim Roßopfer³), wo ein charakteristisches Gebet zeigt, daß es sich nicht um das Wohl des Königs allein, sondern auch um das des Volks handelt. Der Adhvaryu betet: „In Heiligkeit werde der Brahmane geboren, voll Glanzes der Heiligkeit. In Königsmacht werde der Fürst geboren, ein Held, ein Schütz, ein starker Treffer, wagengewaltig; milchreich die Kuh, zum Ziehen stark das Zugtier, schnell das Roß, fruchtbar das Weib, siegreich der Reisige, in der Versammlung gewandt der Jüngling. Ein Heldensohn werde diesem Opferer geboren. Nach Wunsch gebe Parjanya uns Regen zu aller Zeit. Fruchtbar reife uns das Korn. Arbeit und Ruhe sei uns gesegnet“⁴). Ein Gebet, wie man sieht, für Land und Volk, oder wenn nicht für das Volk, so doch für Brahmanen und Krieger: was den dritten Stand anlangt, wird bezeichnenderweise nicht der gemeine Mann selbst genannt, sondern, woran den hohen Herren mehr liegt, Acker und Viehstand. An einer Form aber, in der so im Namen des Volks hätte gebetet und geopfert werden können, fehlt es; das Roßopfer ist und bleibt ein Opfer des Königs.

Linked texts (1)